10.03.-11.03.2020: Glück im Unglück

Yoshua Trees im Mojave Natl Park

Bild 1 von 15

Das erfolgreiche Zocken nach dem Check-Out war der angenehme Beigeschmack unserer späten Abreise aus Vegas. War uns das Glück also doch nochmal hold. Zur Übernachtung hatten wir trotzdem nen sparsamen Stopp unter Sternenhimmel im Yoshua Tree Natl. Park eingeplant. Wir haben wieder versucht Interstates zu vermeiden – auf den großen Straßen sieht man doch nichts von der Gegend. Was uns dabei gar nicht aufgefallen ist, ist wie wir auf die alte Route 66 gekommen sind. Wir wollten einfach nur durch das Mojave National Preserve (Wüste anschauen) fahren und irgendwie muss es dabei dazu gekommen sein. Besser kann man wohl nicht durch die Wüste kommen:-)
Den glücklichen Zufall wollten wir natürlich auch auf nem Foto festhalten und daher haben wir nach ner Weile die Chance gesehen, eins der toll beklebten Straßenschilder entlang der Route zu fotografieren. Das Ganze ließ sich in der einsamen Gegend auch gleich wunderbar mit ner dringend notwendigen kurzen Pause verbinden. Also sind wir beide kurz raus aus dem Auto um alles zu erledigen. Ging auch alles fix, bis auf ein Wohnmobil (die machten auch Bilder) ein Stück die Straße runter war auch niemand zu sehen. Einsame Wüste halt.
Der Himmel sah auch schon dramatisch aus, der angesagte Regenschauer zog fix in unsere Richtung. Also nix wie ins Auto und weiter. Nur, ging das Auto nicht mehr auf. Auto lief, Schlüssel drin, aber zu. Ich könnte mich jetzt hier noch 10 Seiten lang darüber aufregen, dass diese Karre zu allem einen Piepton hat – Gepäck auf dem Rücksitz? Piepton. Schlüssel im Auto gelassen, nachdem es aus ist? Piepton. Nicht angeschnallt zwei Sekunden nach Anlassen des Motors? Piepton. Wofür es keinen Piepton gibt? Auto läuft noch, ist auf „Park“ gestellt Fahrer steigt aus und Schlüssel ist drin. Warum die Kiste sich dann noch automatisch zu sperrt (macht sie nicht, wenn der Motor aus ist)? Es gibt keinen logischen Grund. Aber das ist Alles erstmal egal. Wir sind ausgesperrt. Zwei Stunden entfernt von der nächsten Ortschaft in jede Richtung. In der Wüste. Und ein Unwetter rauscht auf uns zu. Was heißt nochmal „Arschkarte“ auf Englisch? Ach ja, unsere Handies funktionieren in den Staaten auch nur mit fiesen Roaming-Kosten.
Erster Reflex für uns war irgendwie Hilfe oder zumindest ein Telefon zu rekrutieren. Da waren doch Wohnmobil-Touris die Straße runter?! Die hatten schon gepackt und waren kurz vor der Weiterfahrt. Panischer Sprint die Straße rauf: „We need help, something terribly stupid happened to us.“. Aber irgendwie wurde ich nicht recht verstanden – Mist. Das Kennzeichen des Wohnmobils war belgisch, aber Französisch? Da kann ich das Problem auch gleich tanzen.
Aber unser Glück hatte uns noch nicht ganz verlassen. Die beiden Belgier? Beate und Michél. Jupp, Beate – nicht gerade typisch belgisch oder? Beate ist gebürtig Norddeutsche und versteht uns auf Deutsch ganz fantastisch – mein Englisch drang nur nicht zu den beiden durch. Sie erkannten auch gleich, dass unser Problem ziemlich ernst war und von da an waren die beiden die liebsten und hilfsbereitesten Menschen auf der Welt. Sie nahmen uns erstmal mit rein in Ihr Wohnmobil – wir standen da in kurzer Hose und T-Shirt und es wurde langsam echt frisch unnd feucht von oben. Dann spendierten sie uns WLAN, um irgendeine mögliche Service-Nummer des Vermieters zu finden. Dann gaben sie mir Strom für’s Handy, damit ich 45 Minuten (!!!) in der Warteschleife hängen und schlussendlich nen Pannenservice alarmieren konnte. Ganz nebenbei boten die beiden uns die ganze Zeit fürsorglich Trinken und Kekse an und wir nutzten die Zeit um uns ein wenig kennenzulernen. Die weiteren zwei Stunden bis zum Eintreffen des Pannendienstes waren dafür ne gute Zeit. Der Pannenservice brauchte dann nach der Anfahrt übrigens kaum ne Minute, um die Tür zu öffnen. Btw we fucking hate Chevrolet now!
Mittlerweile war’s Dunkel und an eine Fahrt bis Yoshua Tree nicht mehr zu denken. Aber nicht verzagen, auch dafür hatten unsere neuen Freunde ne Lösung. Warum fahren wir den beiden nicht einfach hinterher bis zu dem Campingplatz, den die beiden sich ganz in der Nähe rausgesucht hatten? Auch das war super-hilfreich und ne gute Idee, ne halbe Stunde später hatten wir den Rastplatz gefunden. Wir richteten uns dann ein und wären bereit gewesen den Tag zum vergessen so zu beenden. Aber nope, erstmal gab’s noch Pommes und Steak, ein paar Bierchen und nen schönen Abend mit Beate und Michél. Ganz ehrlich, ohne die beiden wären wir massiv angesch§$?en gewesen. Wir werden es den beiden nie ausreichend danken können, aber mehr Glück hätten wir in der dämlichen Situation nicht haben können.
Am nächsten Morgen haben wir den Campingplatz noch ein bisschen abgecheckt – Amboy Crater – nett und klein und dann ging’s für uns nach ner herzlichen Verabschiedung weiter in Richtung San Diego. Yoshua Tree wurde dann nur während der Durchfahrt angeschaut. Die haben dort alle Sorten Kakteen, die wir uns hätten vorstellen können. Und – hier spricht schon wieder der ungebremste Optimist – ohne das Unwetter die Nacht zuvor hätten wir sicher keine Kaktusblüten gesehen. Also alles Gut am Ende? Wir hoffen’s mal. Für die massiven Pannehilfe-Kosten haben wir ne Versicherung und bisher hat uns die Allianz nie im Stich gelassen. Es bleibt am Ende also ne Erfahrung, zwei tolle Menschen und ne fiese Schlüssel-Paranoia für uns auf der Haben-Seite.

08.03.-10.03.2020: Las Vegas, Baby!

Da ist der mächtige Colorado-River gefangen

Bild 1 von 24

Auf dem Weg nach Las Vegas vom Grand Canyon lag der Hoover-Damm, der direkt auf der Grenze der beiden US-Bundesstaaten Arizona und Nevada liegt. Hier wird der Colorado River zum Lake Mead aufgestaut und ist der größte Stausee der USA. Muss man also mal gesehen haben. Paul kannte es schon. Und da doch recht viel dort los war und in direkter Nähe kostenlosen Parkplätze zur Verfügung standen, hat er mich rausgelassen und ist solange hin- und hergecruised bis ich mir alles angeschaut hatte. Beeindruckend groß ist diese Talsperre auf jeden Fall. Paul meinte, dass sogar manchmal Bergziegen auf den Mauern zu sehen sind. Man kann da auch Touren machen, aber darauf hatten wir keine Lust. Somit ging es nach 20-30 min und ein paar Fotos weiter in Richtung Las Vegas.
Von der Natur am Grand Canyon in den Stadttrubel innerhalb von 3h Autofahrt war ein riesiger Kulturschock. Der Verkehr war echt anstrengend. Wir sind aber so früh in Las Vegas gewesen, wie wir konnten. Ab 15:00 Uhr durften wir im Mandalay Bay einchecken und das haben wir um 15:02 Uhr getan. Das Zimmer war auf der 29. Etage. Es war riesig, toll ausgestattet, und hatte eine, von unserem Standard ausgegangen, kleine Wellnessoase von Badezimmer. Das Hotel befindet sich an einem Ende der berühmten Hotel-Casino-Straße und wir hatten einen hervorragenden Blick entlang dieses Boulevards. Das Hotelzimmer wurde von uns natürlich erstmal gut ausgekostet, bevor wir uns zum Las Vegas Strip aufmachten. Nach einer Dusche/Wanne und einem Begrüßungsgetränk fühlten wir uns schickimicki und gingen kurz nach Sonnenuntergang los um einige Hotels und Casinos zu besuchen. Ich wusste ja noch überhaupt nicht, was mich erwartete. Paul hatte vor ein paar Jahren schon mal die Las Vegas-Atmosphäre erleben dürfen. Wir sind gelaufen, was sich auch tatsächlich lohnt. Aber man muss auch sagen, dass alles viel größer ist, als man denkt und man somit lange unterwegs sein kann. Manchmal liefen wir über Direktverbindungen (Tunnel, Brücken) von Hotel zu Hotel, aber größtenteils entlang der Hauptstraße. Dort gab es auch MiniMarts, wo man Getränke relativ günstig kaufen kann. Ja, dort auf dem Strip darf man auch auf der Straße Alkohol trinken. Was für uns doch relativ normal ist, ist für die Amis sehr besonders und wird ausgereizt. Da steht dann schon mal eine sehr zurecht gemachte Dame am Fahrstuhl im Luxus-Resort und bekommt nicht mehr mit, dass die Fahrstuhltüren direkt neben ihr aufgehen, da sie im Stehen eingeschlafen ist gegen 20 Uhr :-D. Auf unserer Tour kamen wir an der Pyramide des Luxor mit seinem Skybeam, dem Excaliburschloss, dem New York-New York, Paris Las Vegas und weiteren bekannten Casino-Hotels vorbei. Das New York-New York haben wir uns auch gleich von innen angeschaut. Dort findet man nachgebildete New Yorker Gässchen und man läuft sogar über die nassen Pflastersteinstraßen (natürlich nicht wirklich nass). Zufälligerweise kamen wir zur richtigen Zeit am Bellagio für die Brunnenshow zum Lied „All that Jazz“ vorbei. Definitiv ne tolle Show und auf jeden Fall empfehlenswert. Danach nahmen wir uns die Zeit um den Botanischen Garten im Foyer des Bellagios mit dem Thema „Chinesisches Neujahr“ zu bewundern. Wahnsinn, was alles so in ein Hotel passt. Die Dimensionen waren mir völlig neu und somit teilweise auch etwas überfordernd. Es ist tatsächlich überhaupt kein Problem sich in den Casino-Hotels zu verlaufen. Irgendwann um Mitternacht oder so waren wir dann auch mal bereit zu spielen, doch eher etwas glücklos. Woran es gelegen hat, kann man nur vermuten ;-). Verständlicherweise hat es dann irgendwann auch keinen Spaß mehr gemacht und wir haben es auf den nächsten Tag verschoben.
Das erste Ziel nach dem Aufstehen und großen Frühstück bei IHOP war dann das „Welcome to Las Vegas“-Schild. Dort hat man tatsächlich angestanden um ein Bild zu machen. Aber nicht mit uns. Also ging es vorbei an Allen an die Seite, sodass man natürlich niemandem im Weg steht. 2-3 Klicks, dann war auch schon der richtige Winkel gefunden und wir waren nach 5 min wieder auf dem Weg auf den Strip. Das ganze nochmal bei Tageslicht zu erleben ist wieder ganz anders. Zumindest auf den Straßen ist es das. In den Casinos scheint die Zeit stehen zu bleiben. Das Tageslicht und Uhren sind ja von dort verbannt, das ist schließlich der ganze Trick. Zocken, zocken, zocken sollen die Leute! Aber einige Hotels sind auch wunderschön ausgebaut und für sich schon ein Erlebnis. Das Paris Las Vegas hat lauter Läden, die französische Namen haben. Die typischen französischen Balkone sind auch zu finden und nicht zu vergessen, die nasse Pflastersteinoptik macht auch Las Vegas Pariser Straßen romantischer. Im Venetian hat man sich gedacht einfach einen ganzen Gondelkanal zu integrieren. Alles ist immer super kitschig. Leider konnten wir nicht in alle Casino-Hotels rein. Das hätte einfach zu viel Zeit gekostet. Das Flamingo sieht sowieso von außen faszinierend genug aus. Ziel am zweiten Abend war der Vulkanausbruch vorm Mirage. Die 21 Uhr Vorstellung war unsere und das dachten sich auch viele, viele andere Vegas-Besucher. Kurz beschrieben, gab es Jungelgeräuschmusik und jede Menge Feuer, also so viel, dass es richtig warm wurde beim Zuschauen. Danach wollten wir noch das Caesars Palace begutachten. Richtig gute Idee! Wir haben uns da drin echt verlaufen und nicht mehr so schnell rausgefunden, wie wir dachten. Dafür gab es ne Menge Rom zu sehen oder zumindest das, was man sich in Amerika darunter vorstellt :-D. Dann machten wir uns aber auch auf den Rückweg. Im New York-New York gab es noch eine Mitternachtsstärkung mit nem Teilegetränk zum Runterkommen mit dem Namen Partystarter. Wieder mal eine richtig gute Idee! Spielen haben wir dann doch lieber für diesen Tag sein lassen. Wir wussten ja, dass wir am nächsten Tag nur rechtzeitig auschecken müssen. Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht noch ein bisschen im Casino aufhalten dürfen. Der Parkplatz war bis 24 Uhr bezahlt. Also ab zum Roulette-Tisch. Paul hatte ne gute, aber auch recht vorsichtige Strategie, mit der ich auch gut mitgehen konnte. Ein Champagner (nur für mich) später konnten wir beide zusammen dann unseren Verlust vom ersten Abend nach 2,5h spielen noch verringern…Wohoooo…Eine Nacht mehr wäre im Endeffekt noch gut gewesen, da wir ja 1,5 Tage brauchten um uns einen Gesamtüberblick zu verschaffen. 14 Uhr mussten wir dann aber auch los, damit wir noch bei Tageslicht im Joshua Tree National Park ankommen…Doch dazu kam es dann nicht. Warum, wird euch Paul berichten.

02.03.-08.03.2020: The really great, very big, incredibly huge Canyon

Hinfahrt durch nen kleinen Canyon

Bild 1 von 11

Die drei Parks in Utah hatten wir nun geschafft, aber das Hotel in Vegas war erst für den 08. März gebucht. Also mussten wir uns noch irgendwo auf dem Weg die Zeit vertreiben. Glücklicherweise findet sich auf dem (nicht ganz direkten) Weg zwischen Utah und Vegas so ein einzigartiges Weltnaturerbe gigantischen Ausmaßes. Also los zum Grand Canyon. Natürlich war es mit Absicht geplant dem Park so viel Zeit einzuräumen. Unsere Anreise ging über den östlichen Parkeingang, was eine tolle Übersicht auf den sich langsam öffnenden Canyon zulässt, auch wenn das Format der Landschaft bei der Anfahrt noch nicht zu erahnen ist, erkennt man schon deutlich die Veränderungen und hat, simpel gesprochen, einiges zu schauen.
Am östlichen Eingang findet sich dann ein schönes Visitor Center inklusive eines Aussichtstürmchens in Pueblo-Optik (ist aber nicht wirklich ein Indianer-Bau). Der erste Blick auf das östliche Ende des Canyons war schon mal toll. Ich war begeistert, weil ich seit dem ersten Blick auf den Canyon 2014 unbedingt noch einmal mit mehr Zeit hatte herkommen wollen und jetzt hat es tatsächlich geklappt. Tina dagegen rang noch damit die Dimensionen überhaupt zu überschauen. Es ist halt so, dass alles so groß ist, dass bei klarem Himmel die Distanzen nicht mehr klar wahrzunehmen sind. Dann sieht alles irgendwie wie gemalt aus, aber eben nicht, als stünde man am Rande einer im Schnitt 16km breiten, 1,6km tiefen und über 400km langen Erdspalte. Aber der Geschmack war aufgenommen und wir wollten loslegen. Der Campingplatz war schnell gefunden und sehr unkompliziert zu buchen. Auf dem Weg zu unserem Stellplatz sahen wir nur vereinzelt andere Camper, was auf einen ruhigen Park hoffen ließ. Was wir auch kurz sahen war eine Wapiti-Rehkuh, 10m entfernt von unserem Stellplatz. Diese große Rotwild-Art treibt sich wohl auf dem ganzen Parkgelände frei und relativ ohne Scheu herum. Wir hatten eines Morgens später dann auch auf einmal fünf von den großen Tieren direkt bei uns. Natürlich bewahrt man den Respekt (und Sicherheitsabstand), aber die große Nähe zu den Tieren war da schon faszinierend. Wir verstanden die kurze Begegnung bei der Anreise daher als standesgemäße Begrüßung.

Am ersten Tag nach der Ankunft wollten wir uns erstmal einen Einndruck verschaffen. Dafür ist der South Rim Trail ganz wunderbar geeignet. Das ist ein Spazierpfad entlang der Kante des Canyons, der super einfach ist und dabei trotzdem schon tolle Ausblicke und viel wissenswerte Infos über den Canyon verfügbar macht. Zur Krönung des Tages gab es den ersten herrlichen Sonnenuntergang beinebaumelnd am Canyon. Der Tag darauf war ein Ruhe- und Vorbereitungstag. Da wir so viele Tage im Park hatten, waren wir auch nicht in Eile und konnten unsere große Wanderung gut planen und organisieren. Es wurden Trails nochmal gecheckt, der Wetterbericht eingeholt und natürlich Schnitten geschmiert. Früh ins Bett ging’s außerdem, weil ein früher Morgen drohte.

Einmal runter und wieder rauf

Startpunkt: Der South Kaibab Trailhead

Bild 1 von 22

Warum wandern wir? Na wir wollen die Dinge eben erleben und nicht nur von der Ferne anschauen. Manchmal hört man, dass etwas besonders schön sei, manchmal winkt ein Gipfel, manchmal plätschert ein Wasserfall. Und manchmal liest man überall: „Versuchen Sie bitte nicht, innerhalb eines Tages in den Canyon zum Fluss und wieder heraus zu wandern.“ Passt mal auf, liebe Bedenkenträgerinnen: Für eine Übernachtung im Tal haben wir nicht die Ausrüstung und so fix kommen wir auch nicht wieder. Also gehen wir da runter und wieder hoch. In einem Tag. Habt euch nicht so. 😉

Nach einiger Recherche im Hotel in Hurricane hatten wir einen Wanderblogger gefunden, der seine Tagestour rein und raus aus dem Canyon beschrieben hatte und das gab uns Mut und ne Route. Und da Tina spätestens nach ihrem ersten Blick auf den Canyon genauso Feuer und Flamme war wie ich, brauchten wir nicht viel mehr. Eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang klingelte der Wecker, wir machten uns fertig und halbwach samt Gepäck auf den Weg zum Shuttle-Bus, der uns zum Trailhead (dem Anfang des Weges) brachte. Wir konnten pünktlich 07.28 Uhr den Weg am South Kaibab Trail beginnen. Vor uns: geschätzte 950m auf ca. 10km ins Tal. Der Weg schlängelte sich immer wieder in den Schatten des Canyons geduckt am Fels entlang. Schnell waren erste Aussichtspunkte erreicht (einer passend mit „OohAah-Point“ benannt) und wir fragten uns, ob noch jemand von den anderen Wandererinnen, die wir trafen (viele waren’s nicht) dasselbe vorhatten. Stück für Stück kehrten aber andere um, wir gingen weiter. Am vermeintlichen Ende des Trails für Tageswandererinnen kam aus dem Tal eine besondere Reisegruppe von Muli-Touristinnen. Die Herren und Damen hatten sich Maultiere samt Führer gebucht und ritten jetzt die Pfade entlang. War ne schöne Ansicht, aber sicherer würde ich mich auf den manchmal doch engen und steilen Passagen in 1.50 Höhe im Sattel nicht unbedingt fühlen. Dann lieber zu Fuß. Die Sonne war mittlerweile auch gut am Arbeiten und wir legten immer fleißig unsere Zwiebelschichten ab. Man will ja weder unterkühlen, noch sich kaputt schwitzen.
Die Zahl der anderen Wandererinnen nahm weiter ab und der Fluss wurde zum ersten Mal sichtbar. Jetzt nicht mehr das haarfeine Rinnsal, als das er vom Rand erschien, sondern schon etwas…nun ja „flussiger“. Man konnte zum ersten Mal erahnen, dass da was Kräftiges floss. Was auch immer deutlicher wurde, waren die tatsächlichen Ausmaße des Canyons. Der Rand stieg immer höher hinter uns und diesmal konnte man die Distanzen und Dimensionen ganz anders verstehen. Man fühlt sich dann doch sehr klein zwischen so enormen Felswänden, auch wenn sie 16km auseinander liegen. Direkt vor sich schauen muss man aber natürlich auch immer, sonst kann man zum Beispiel in eine Baustelle krachen. Ja, mitten auf dem Wanderpfad versperrte plötzlich ein Maultier den Weg. Dahinter: weitere Maultiere. Die brachten stetig Schutt den Pfad hinauf, um Erosion und abgerutschte Wegteile wieder ausbessern zu können. Geschaufelt wurde vom Vorarbeiter dann von Hand – da können Mulis ja nun nicht helfen. Als alles abgeladen war durften wir der Karavane folgen und dann auch überholen.

Das Tal erreichten wir wenig später über die Black Bridge. Von der waren es nur wenige hundert Meter bis zum Fluss, der breit und laut gurgelnd an uns vorbei rann. Damit war das Mittag verdient und der Schatten am Fluss währte nur kurz, bis die Mittagssonne es auch endlich über die engsten und steilsten Spitzen und damit bis zu uns ans Flussufer schaffte. Es gab also in feinster Sonne Schnittchen, Chips, Gummibären und Limo. Unsere Zeitplanung hatten wir auch beinahe auf die Minute eingehalten, dreieinhalb Stunden bis ins Tal, weil man das Doppelte für den Aufstieg einplanen muss.

Ein direkter Wiederaufstieg war aber nicht unser Plan, da wir nicht den selben Pfad zurück gehen wollten. Stattdessen ging’s am Fluss entlang zu einem anderen Trail, der uns wieder herauf zum South Rim bringen sollte. Der Bright Angel Trail führte uns die erste Zeit entlang kleinerer Zuflüsse (es ist ja noch Tauzeit oben auf dem Canyon) langsam aber stetig immer weiter aufwärts. Wir durften ein paar Mal die erfrischenden kleinen Bäche und Rinnsale kreuzen, was uns Gelegenheit zur Abkühlung gab. Es wurde aber auch immer deutlicher, dass der Aufstieg die größere Herausforderung ist. Zum Einen, ist der Bright Angel Trail schon für sich etwas länger, als der South Kaibab. Zum Anderen war das wunderbare Wetter dann doch manchmal (zummindest für mich) sehr warm. Wenn man dann schon über 10km anspruchsvolle bergab-Wanderung in den Knochen hat, geht man schon mal in sich. Aber dann holt einen doch wieder die atemberaubende Umwelt ein oder ein Gummibärchen gibt neuen Saft und weiter geht’s. Nach dem letzten größeren Zwischenhalt – Indian Gardens genannt – wollten wir dann nur noch ankommen. noch ca. 4,5 Meilen vor uns und wer weiß wie viele Höhenmeter. Unsere Lieblingssongs beim Aufstieg? Step by Step, (Keep on) Rollin‘, Almost There… Das Motto war weiterlaufen. Ein bisschen kamen wir uns wie die Mulis vor. Stell keine Fragen, Lauf! Außer, dass wir uns selber dafür entschieden hatten. Der Canyon wurde dann auch psychologisch herausfordernder, weil er nach oben kein Ende zu haben schien. Du siehst die Spitze? Schau mal um die Kurve, da noch weiter oben. Noch ne Spitze. Und dahinter? Genau, noch ne höhere Spitze. Immer weiter. Und umdrehen würde ja auch nix bringen. Das is schon gemein. Wie warnen die Ranger hier: „Hiking into the canyon is voluntary, hiking out of the canyon is mandatory“. Kein Stoppen also. Die langsam zunehmende Zahl der Touristinnen war der einzige Indikator, dass der South Rim zumindest in erreichbare Nähe gerückt sein musste. Auch die Zwischenziele gaben Sicherheit. Das 3-Mile-Resthouse (3 Meilen vorm Ziel) das 1,5-Mile-Resthouse… und dann: die letzten Serpentinen. Natürlich zur Krönung sehr steil und mit Traktions-Bonus weil stellenweise vereist. Da freuen sich die müden Knochen aber nicht. Faszinierend dennoch, wie auf einmal der Nachbrenner zündete, als wir endlich wirklich den Rand sehen konnten. Die letzten Meter haben wir also fröhlicher geschnauft (schneller war nicht mehr wirklich drin) und sogar noch den einen oder anderen Spaziergänger überholt. Am Ende war nach 9.03 Stunden der Trailhead des Bright Angel Trail erreicht und wir hätten kaum glücklicher sein können. Wir hatten mit 10,5 oder 11,5 Stunden geplant. Es machte sich sehr erschöpfte Euphorie breit. Von wegen „nicht innerhalb eines Tages“…
Weiterer Vorteil unseres Tempos? Wir hatten jetzt noch Zeit zum Duschen. Und ja, das war auch dringend nötig, aber eben auch soooo wohltuend. Frisch geputzt schleppten wir uns dann noch zur naheliegenden Yavapai-Lodge, einer Art Hotel-Restaurant in der Nähe des Campingplatzes und gönnten uns eine weitere verdiente Belohnung. Richtiges Comfort-Food anstelle von Camping-Essen. Für Tina gab’s nen wirklich riesigen Salat mit so ziemlich allem, was die Salatbar hergab und dazu noch ne Minestrone und für mich nen dicken Burger und Chips. Yummie. Dass wir danach schon beim heimhumpeln fast einschliefen und dann wie Steine genächtigt haben, versteht sich von selbst.

Nachdem damit unser Hauptziel für den Grand Canyon bewältigt war, ging’s dann entspannt weiter. Ein vermuskelkaterter Ruhetag im Camp (wir schauen weiter Breaking Bad;-) ), inklusive des erwähnten Wapiti-Besuchs und am letzten Tag noch mal eine Erkundung der Westseite des Parks, aber größtenteils mithilfe der gratis Busshuttles, kein Stress mehr für uns. Tatsächlich sieht der Canyon hier im Westen nochmal anders als von der so populären östlichen Südkante aus, weshalb der Weg sich wirklich lohnte. Unser letzter Sonnenuntergang wurde dann von einem dramatischen Wolkenhimmel verschönert und so hatten wir das gute Gefühl den South Rim des Grand Canyon wirklich ausgekostet zu haben.

28.02.-01.03.2020: 3 Tage, 3 National Parks

Nach Denver hatten wir eine ziemlich kompakte Tour geplant, da wir hotelkostenbedingt eher in Las Vegas sein müssen, als wir eigentlich wollten. Also ging es von Denver übermäßig viel bergab nach Moab in ein zu unserer Überraschung sehr sehr sehr schickes Motel in einem niedlich angelegten Touristenort. Super sauber, modern ausgestattet und ne Wanne gab es auch. Das war perfekt um den Abend entspannt zu verbringen, denn am nächsten Tag hieß es früh aufstehen.

Arches National Park

Unser "Kamin" im Motel

Bild 16 von 16

Wir brauchten ca. ne halbe Stunde zum Arches National Park. Der Park wird eher mit dem Auto abgefahren und hat viele kurze Trails. Es gibt eigentlich nur ein oder zwei längere Wanderwege, der eine ganz am Ende und der andere führt zum „Instagram-Arch“. Wir wollten aber so viel wie möglich vom Park sehen und fuhren lieber alle kurzen Trails ab. Laufen werden wir schließlich in den anderen Parks noch genug. Der Arches National Park ist tatsächlich ein sehr schöner Park für einen entspannteren Tagesausflug. Anfangs kommt man zu einer Aussichtsplattform, die schon einige Punkte, die man später anfährt und sich aus der Nähe angucken kann, erklärt. So bekamen wir erstmal ein Gefühl für die Größe des Parks. Außerdem wurden uns so schon einige Gesteinsformationen vorgestellt, denen wir dann auch noch aus der Nähe begegnet sind, wie z.B. Balanced Rock, The Three Gossips (wir waren der Meinung, dass es eher vier waren), Elephant’s Parade, The Sheep und The Tower of Babel. Unser erstes aktives Vorhaben war die Park Avenue abzulaufen. Ein Trail der entlang eines ausgetrockneten Flussbettes eingezäunt von hohen, roten Felsen führt. Eigentlich sollte es ziemlich einfach sein, diesem Pfad zu folgen. Aber aufgrund vieler weiterer Trampelpfade kommt man schon mal durcheinander. So kam vom Berg abwärts ein Mädel runter. Zitat:“I am glad I made it back down there. That is not the right way!“ Völlig aus der Puste und wirklich erleichtert sah sie aus. Wer weiß, wo sie war o_O. Wieder zurück am Auto fuhren wir zum Balanced Rock. Der sah von Weitem ziemlich beeindruckend aus. Aber je näher man kam und ein bisschen die Perspektive änderte, war klar, dass er doch noch ziemlich sicher auf seinem Sockel steht. Genau deshalb ist es auch interessant mal drumherum zu laufen. Danach wurden drei Arches von uns abgecheckt – Turret Arch, North Window und South Window. Dieser Spaziergang bot fantastische Aussichten und einen kleinen Umweg um die Windows herum, den nicht viele wählten. Wir haben so kleine Wüstenmmäuse beobachten können, wie sie von Busch zu Busch huschten. Ein, zwei Momente der Zweisamkeit waren auch drin. Und dann kam der wohl beeindruckendste Arch, der Double Arch. Riesengroß. Bekletterbar. Der war echt ein kleiner Abenteuerspielplatz, der nicht nur uns viel Spaß gemacht hat.

Anstehen musste man zwar noch nicht, aber ein bisschen gegenseitige Rücksichtnahme war schon angebracht. Für die Kinder war das Runterkommen kein Problem, aber die Eltern dazu brauchten ihre Zeit. Dann durften wir mittendrin stehen. Es war zauberhaft. Was wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen wollten, ist der erwähnte Instagram Arch. Da der eigentliche Weg dahin nicht in unsere Tagesplanung gepasst hatte, haben wir ihn einfach von der anderen Seite bestaunt (und ein paar übrig gebliebene Petroglyphen gab es auf dem Weg on top). Ich weiß nicht genau, ob man es auf dem Bild erkennen kann, aber dort muss man wirklich anstehen um ein Bild zu schießen. Auf dem Weg zum Sand Dune Arch kamen wir an einer großen, flachen Ebene (Salt Valley) vorbei. Dort lernten wir, dass da ebenfalls mal ein Ozean war (derselbe wie im Big Bend?) und unterhalb der Erdoberfläche eine sehr dicke Salzschicht verborgen liegt. Daher heißt auch der dazugehörige kleine Fluss Salt Wash Creek. Ob das Wasser darin wirklich salzig ist, konnten wir leider nicht überprüfen. Aber die ganze Landschaft hatte einen grünen Schein, der beim Wandern sogar auf uns reflektierte und uns nen ungewöhnlichen Teint anfärbte. Der Sand Dune Arch war wieder ganz anders anzusehen. Er war etwas versteckt in einer Felsspalte. Zu dieser Tageszeit war es ziemlich warm geworden. Doch einmal durch die Spalte gegangen, wurde es plötzlich sehr kühl. Der Sand war feucht und dort kommt wohl eher kein Sonnenstrahl hin. Danach gab es für uns nicht mehr viel abzuarbeiten. Wir hielten dann noch an 2 weiteren Arches und einer Steinkombination namens Fiery Furnance. Diese Stopps lagen auch schon in der Richtung, in der wir den Park auch verlassen wollten. Es war eine holprige Backcountry Straße, auf der vorstellbarerweise nicht viel Verkehr war. Aber ich hatte viel Spaß dabei, ne Stunde lang so den Park durch das Salt Valley verlassen zu können.

An unserem Motel im Örtchen Salina sind wir gegen halb 8 abends angekommen. Nachdem es Probleme mit den Schlüsseln gab (einer war kaputt, der andere war verschwunden), blieb denen nichts anderes übrig, als uns ein Upgrade zu geben – Kingsize Bett und eine Heizung, die wie ein kleines Kaminfeuer aussah.

Bryce Canyon National Park

Zur Begrüßung ein Arch... hatten wir das nicht gestern?

Bild 1 von 13

Wie am Tag zuvor machten wir uns recht zeitig aus Salina auf zum Bryce Canyon National Park. Die Fahrt dauerte etwa 2h. Das Wetter war hervorragend und die Hauptattraktion, das Amphietheatre, war fesselnd. Es besteht aus unzähligen Hoodoos, die nach einer Legende auf einer Infotafel, gottähnliche Menschen in Tiergestalt waren, die aber von einem Kojoten aus Sicherheitsgründen versteinert wurden und nun für immer und ewig (oder zumindest solange es die Witterung zulässt) hintereinander, recht gut geordnet da stehen. Bei Sonnenschein erscheinen sie in einem leuchtenden orange und der Schnee stellt einen traumhaften Kontrast zwischen den Felsen und den Bäumen her. Wunderschön anzusehen. Uns war somit klar, dass wir den Wanderweg entlang des Amphietheaters gehen würden. Es lag tatsächlich noch jede Menge Schnee, aber es war auch Tauwetter. Also hatten wir mit dem Sand, Matsch und eisigen Partien diverse Wanderbedingungen.

Zusammen mit den tollen Aussichtspunkten und den verschiedenen Vegetationsabschnitten vergingen die Kilometer wie im Flug. Auch wenn die Füße wegen des Klebesandes ziemlich schwer wurden. Trotzdem hat es für diesen Tag gereicht zu laufen. Die anderen kleineren Sehenswürdigkeiten klapperten wir wieder mit dem Auto ab. Da es doch etwas frisch war, gab es das Mittag im Auto direkt vor der Natural Bridge (was eigentlich ein Arch ist – sagte das Schild). Ansonsten gab es noch höher gelegene Aussichtspunkte über den ganzen Park.
Einige waren besser zu erreichen als andere. Der Weg zu einem der höchsten Aussichtspunkte beispielsweise war gut verschneit und durch die Sonne leicht angetaut, so dass viele Besucher offensichtlich Probleme hatten und sich meist nicht wirklich die 300 Meter bis nach oben trauten. Der Ausblick war’s sicher Wert, aber wir hatten ja auch unsere Stiefel an. Der gängige Tourist vor Ort: in Turnschuhen und einige sogar in Sandalen – bekloppt bei dem Wetter. Das war sicher auch der Grund, warum ich die letzte Wanderung des Tages ganz allein im Schnee machen konnte. Vom Parkplatz aus grüßte der kurze Trail strahlend weiß von ca. 50cm festem Schnee bedeckt. Aber wie gesagt, Stiefel lassen sich nicht verschrecken. Ich bin also losgestapft und hab manchmal neben mir lustigerweise die Bäume schrumpfen sehen, weil die Schneedecke höher wurde. Sie war aber gut fest zum laufen. Am einsamen Aussichtspunkt angekommen war dann ein Blick raus aus dem Park möglich und dann bin ich fix zurück durch die Winterwaldeinsamkeit zu Tina, die im Auto pausierte. Kurz vorm Ziel bemerkte ich dann, dass neben meinen Schritten was aus dem Boden ragte und beim genauen Betrachten konnte ich erkennen, dass ich gerade über die Picknicktische wanderte. Tja, hohe und feste Schneedecke halt 😉
Die ganze Tour im Park hat ca. einen halben Tag gedauert (4-5h). Danach ging es in Richtung Zion National Park, besser gesagt, erstmal daran vorbei nach Hurricane in unser Motel, welches nur ne halbe Stunde vom Park entfernt ist und wo wir diesmal 2 Nächte bleiben werden. Denn der Zion National Park braucht definitiv mehr zeitliche Aufmerksamkeit von uns. Viel laufen steht auf dem Plan.

Zion National Park

Wasserfällchen am Temple of the Gods

Bild 1 von 19

Da der Park diesmal nicht weit weg lag, hatten wir jede Menge Zeit für unser Inklusivfrühstück mit Kakao und Waffeln und Erdnussbutter-Toast. Natürlich auch alles zum Mitnehmen ;-). Gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Zion. Dort angekommen, wunderten wir uns über die vielen Leute. Es war wohl ein hervorragender Tag für diesen Park. Die Parkplatzsuche gestaltete sich etwas schwierig. Alles war voll. Aber da man sich im Park ab dem 01.03. nur zu Fuß oder mit Shuttle-Bussen forbewegen darf, mussten wir unser Auto irgendwo abstellen. Mit etwas Kreativität fanden wir ein Plätzchen (und inspirierten auch andere damit).
Und dann ging es los zur Bushaltestelle. Wir haben uns mithilfe der Infokarte 2 Wege rausgesucht, die wir an diesem Tag schaffen wollten. Zuerst kam der relativ kurze Riverwalk, aber der war für seine Kürze wunderschön. Das Wasser war super klar, es plätscherte, auf der anderen Uferseite sahen wir eine Rehfamilie und alle anderen Leute haben sich für den parallel laufenden Weg entschieden. Dieser führte an den Anfang eines Wanderweges, den man komplett durchs Wasser beschreitet. Im Bus hatten wir Leute gesehen, die definitiv dieses kleine Abenteuer geplant hatten. Denn sie waren voll ausgestattet mit wasserfesten Klamotten, die sie mit Sicherheit im Park ausgeliehen hatten. Aber es sind uns auch Wanderer entgegen gekommen, die zumindest ein Stück nur mit ihren Turnschuhen gelaufen sind. Ich glaube nicht, dass sie weit gekommen sind bei all den Steinen im Fluss. Und kalt war es auch. Für uns war das ein guter Anfang. Jedoch dachten wir zu dieser Zeit dann, dass nur noch ein Trail zeitlich zu machen ist. Einer der Shuttle-Bus-Fahrer hatte dann auch etwas von nem „einzigartigen“ und „super-steilen“ Trail erzählt. Somit wollten wir dann diesen berühmten Weg – „Angels Landing“ – als Tagesabschluss angehen. Also ab in den Bus und zur richtigen Haltestelle fahren, damit es ganz schnell losgehen kann. Wir liefen und liefen auf dem Trail, bis wir an einem sehr menschengefüllten Platz ankamen – Middle Emerald Pool. Da hat es dann Klick gemacht. Wir waren auf dem falschen Weg gelandet. Diesen wollten wir nur machen, wenn wir noch genug Zeit vorm Sonnenuntergang haben sollten. Doch dann war es auch egal und wir sind noch zum Upper Emerald Pool, da wir eh schon fast da waren. Es hat sich gelohnt und wir konnten absolut verstehen, warum dort nochmal ausdrücklich verboten wurde schwimmen zu gehen. Einmal dort unter dem zarten Wasserfall ne kleine Dusche nehmen, ist definitiv verlockend. Gut, der Rückweg zum eigentlich gewünschten Angels Landing Trail ging dann sehr schnell. Und dann kam der Knaller. Ein gutes Stück Serpentinen, deren Steigung nicht ohne waren, lag vor uns. Aber gut aufgewärmt war das mit 2-3 kleinen Verschnaufpausen kein Problem. Als wir oben angekommen sind, war es aber noch nicht zu ende, wie vermutet. Es ging noch weiter…und wie. Steil, an einer Kette, teilweise links und rechts Abgrund. Auf den ersten Anblick, waren wir erstmal etwas geschockt, dass das tatsächlich erlaubt sein soll (Einfach mal Angels Landing Trail bei Youtube suchen – Liebe Eltern, Ihr wollt das eventuell nicht sehen.). Doch als wir gesehen hatten, wer mit welchem Schuhwerk dort so entlang geklettert, fühlten wir uns auf der sicheren Seite. Schritt für Schritt ging es immer höher immer entlang der Kette, die von uns nicht einmal losgelassen wurde. Es war einfach der Wahnsinn. Schritt für Schritt immer weiter…bis ich langsam zittrige Knie und ein flaues Gefühl im Magen bekam. An einer Stelle mit einem wunderschönen Ausblick war ich dann zufrieden und entschied, dort zu bleiben. Man muss ja seine Grenzen kennen. Paul ging noch weiter, ich habe dort, wo ich war, einfach gewartet.

Also „Wahnsinn“ wurde auf dem Weg ein bisschen unser Mantra. Nicht immer im atemberaubend-begeisterten Sinn, sondern auch wegen des empfundenen Risikos. Wenige Fuß entfernt von nem steilen Abgrund entlang wandern, nur gesichert durch die eigene Hand an einem Stahlseil? Klar is das spannend aber auch in Deutschland (aus gutem Grund) nie vorstellbar. Ich hatte vorher nur ein Bild dieses Teils des Trails gesehen und nahm an, das könne nur ein kurzes Stück sein und auf Fotos können Sachen ja auch gerne mal dramatischer aussehen. Als die ersten Absteiger dann aber meinten „nur noch“ 30-45 Minuten?! Und es war nicht übertrieben. Zusammen sind wir sicher gut 25 Minuten aufgestiegen. Mit ordentlich Adrenalin im Blut und ständig auf Sicherheit bedacht. Als Tina dann kein gutes Gefühl mehr hatte, konnte ich das gut verstehen. Aber gleichzeitig:so weit kommen und nicht den Gipfel sehen? Wir haben uns kurz beraten und ich bin dann weiter. Nochmal ca. 10 Minuten steil den Grat bergauf. Dann fast oben angekommen geht man auf dem schmalen Rücken des Berges (jetzt ganz ohne Sicherung) zu einer Plattform von ca. 6×6 Metern (auch ohne Sicherheitsgeländer) und BAM – Gipfel. Was ein Ausblick in den Zion Canyon – Wahnsinn. Das dort oben unter anderem eine 7-köpfige Familie mit Kindern zwischen geschätzt 10 und 17 rumfotografierte war dann wieder der andere „Wahnsinn“. Ich empfand das Ganze nicht als ein kinderfreundliches Abenteuer – aber wenn man 5 Küken hat, ist Schwund vielleicht zu verkraften. Egal, Kinnlade aufgesammelt, Bilder geknipst und dann vorsichtig und sicheren Fußes zurück zu Tina und den Abstieg angegangen.

Was einem oft zu steilen Aufstiegen nicht verraten wird? Steil absteigen geht auch verdammt in die Knochen. Auch wenn es runter schneller ging war das doch ein weiteres ordentliches Stück Training. Wir werden es sicher bald brauchen können. Am Bus angekommen standen dann alle Zeichen für uns auf Ende. Die Kräfte gut verbraucht, das Adrenalin wieder runtergefahren wird man dann doch gemütlich. Deshalb haben wir uns in Hurricane schön mit Pizza und Salat belohnt und dabei sogar dem Pizzaboy mit German Money (er sammelt nämlich internationales Geld) den Abend versüßt.

22.-27.02.2020: Denver

Denver, so high, da braucht man Flügel

Bild 1 von 14

Die Anreise nach Denver verlief sehr entspannt. Die Strecke war eher kurz, weshalb wir ordentlich ausschlafen und völlig ohne Zeitdruck fahren konnten. Wir waren diesmal sogar zu früh, ne Stunde vorm Check-In, schon an unserem AirBnB in einem sehr schönen Stadtteil von Denver namens Highland Park. Die Gegend ist gerade mitten in der Gentrifizierung aber dazu später mehr. Wir haben erstmal ne Mittagspause eingelegt und die Reste vom Barbecue in Colorado Springs vertilgt. Dann Check-In. Unser Host Brian war ein älterer Herr (ca. 60) und typisch amerikanisch. Sehr offen und freundlich, aber auch etwas laut und verdammt gesprächig. Das Haus und Zimmer waren in Ordnung hatten aber nen eigenen Charme. Wie uns Brian am Sonntag beim selbstgekochten Abendbrot (Pasta mit Wurst – Mamas Rezept – Brian ist nämlich Halbitaliener) erzählte, ist das Haus schon seit beinahe 100 Jahren im Familienbesitz. Aber alles war ordentlich und wir konnten uns wohlfühlen. Dass Brian uns zum Abendbrot einlud, ist übrigens kein AirBnB-Standard. Er war schon ein sehr engagierter Host, hatte auch Obst und Frühstückssnacks für uns parat. Als „Gegenleistung“ war er immer dankbar für ein paar offene Ohren. Er erzählte gern, wodurch wir einerseits ne Menge über die Gegend und was es zu sehen gäbe erfahren konnten, andererseits aber auch um ein paar schwierigere Themen (Politik, der Orangene Clown im Weißen Haus – Brian ist wohl eher pro-Trump) nicht herum kamen.
Am Sonntag haben wir außerdem unseren ersten Spaziergang durch’s Viertel bis in die Innenstadt unternommen – ein angenehmer Spaziergang, außer dass das Wetter zu warm für Schnee war und wir damit ne Weile Nieselregen ertragen mussten. Die Innenstadt ist ziemlich cool in Denver, verschiedene Shopping-Straßen, viele Cafés und kleine Brauhäuser und Bars. Außerdem ist alles ganz gut zu Fuß zu erreichen bzw. eine preiswerte Fahrt mit dem Lyft entfernt. Wir haben uns daher dann auch für nen Spaziergang zurück zur Unterkunft entschieden und kamen dabei an einer Eisdiele vorbei. Klar war’s eigentlich etwas kühl, aber die Sonne schien ja nun und außerdem ist der Laden ne Instanz (oder Touri-Falle, je nachdem, wen man fragt 😉 ). Das Eis war klasse, die Portionsgröße mal wieder amerikanisch riesig und so hatten wir für den gesamten Rückweg was zu schlecken.
Am Montag hatten wir mal gar keine Pläne, nur chillen und vielleicht mal ne kurze Tour. Die fiel dann aber ins Wasser, weil die lokale Brauerei von Coors gerade keine Touren macht. Damit also mehr Zeit zum Chillen. Das geht ja in Denver auch besonders gut. Für den Abend hatten wir uns ne Open-Mic-Comedy-Veranstaltung in ner Bar, für das spätabendliche Kichern nach dem Chillen, rausgesucht. Das ging nicht vor 8 los und damit war einfach mal Zeit zum Ruhen.
Als wir dann kurz nach 8 in die Bar kamen, erstmal Ernüchterung. Sechs Leute da drin, inklusive Bartenderin. Na egal. Hatte zumindest mal richtig Bar-Charme. Bisschen dreckig, bissel deprimierend ohne Leute und die, die da waren, waren allein da. Wir haben uns erstmal Drinks bestellt und die Leute abgecheckt. Es wurde uns klar, dass Open-Mic erst 22 Uhr losgeht und wir damit noch reichlich Zeit zum Vortanken und lustig werden haben würden. Gesagt getan. Zwischendurch waren mit uns dann noch zwei Leute in der Bar und das war’s. Wir haben uns darüber schon ein wenig kaputt gelacht und ansonsten nebenbei „Speed“ auf dem Bar-TV geschaut. Gegen zehn füllte sich die Bar aber doch stetig und mit ein bisschen Verzögerung ging’s los. Es gab alles: gute Gags, lustige Typen, mächtige Rohrkrepierer und Grillenzirpen. Eben das, was Open-Mic verspricht. Es wurde definitiv ein lustiger Abend. Zum Schluss kam die Rechnung und es schien, dass es für Open-Mic sowas wie Schmerzensgeld gibt. Wir haben für sieben oder acht Drinks gerade mal knapp 30$ bezahlt – das schaffe ich auch in Berlin oder Halle nicht. Am Ende war uns dann auch klar, dass außer uns und zwei anderen Pärchen, eigentlich alle rund zwanzig weiteren Gäste der Bar, Open-Mic-Performer waren. Naja, wenn’s die Bar am laufen hält.
Für Dienstag stand mein Highlight an: NBA-Basketball! Aber zuerst wieder Kultur tanken. Wir sind also nochmal zum State Capitol von Colorado – bei unserem Besuch am Sonntag wussten wir noch nix von der Mile High Step. Diese Stufe ist auf exakt einer Meile über Meereshöhe und belegt die Ursache für Denvers Spitznamen „Mile High City“. Auf dem Heimweg entdeckten wir an der Hauptstraße ein schönes Diner und da gab’s dann spätes Mittag/frühes Abendessen – Diners fetzen. Noch nicht ganz Restaurant, aber schon ordentlich gekochte Küche in 50er-Jahre Ambiente.
Danach ging’s Heim zur Vorbereitung für den Abend. Wir sind dann mit dem Bus (wirklich gute Öffis in Denver) in die Nähe vom Stadion und den Rest spaziert. Drinnen im Stadion war’s dann ähnlich wie in Dallas oder Phoenix (wo ich schon andere Spiele gesehen habe) Team-Läden, unverschämt teure Verpflegung (12$ für’n kleines Bier?!) und jede Menge Foto-Aktionen, Verlosungen etc. Unsere Plätze waren klasse und bei den Warm-Ups der Spieler konnten wir fast bis an den Spielfeldrand gehen und die Riesen-Jungs mal hautnah erleben. Schon sehr cool für nen Fan. Das Spiel war dann auch ne ganze Weile spannend, allerdings hat Denver ne Spitzen-Mannschaft und die Gegner aus Detroit sind grad eher im Umbruch. Es wurde also recht deutlich am Ende. War aber wieder ein Erlebnis und ne große Freude.
Nachdem wir nun nen guten Eindruck von Denver City hatten, wollten wir uns am Mittwoch noch die besonderen Orte in der näheren Umgebung anschauen. Zuerst das Red Rock Amphitheater – ein Open-Air-Gelände mitten in den knallroten Felsen eines Parks gehauen. Wir haben das Gelände ausgiebig erkundet und es ist definitiv ein cooler Ort für ein Konzert. Ein bisschen rumgewandert in den umliegenden Felsen und Hügeln sind wir auch und man muss sagen, dass das insgesamt ein tolles Naherholungsgebiet für die Denveraner (sagt man das so?) ist.
Im Anschluss ging’s noch zum sogenannten Lookout-Mountain. Dafür fuhren wir durch einen unglaublich schönen Vorort von Denver (da wo die Scheine wohnen) um dann am Lookout und gleichzeitig dem Grab von „Western-Legende“ Buffalo Bill anzukommen. Das spektkulärste am Grab ist eigentlich der auf Infotafeln zelebrierte Zwist mit Cody, Wyoming. Das ist wohl Buffalo Bills Geburtsstadt und die behauptet auch die letzte Ruhestätte des Cowboys zu sein und es wurde auch schon mehrfach versucht das Grab am Lookout aufzubrechen um mögliche Überreste zu stehlen – ein Quatsch…
Der Lookout selbst war aber toll. Wir hatten wieder ungestörte Sicht über das ganze „Tal“ vor uns in dem Denver liegt. Immer sehr aufschlussreich, wenn man auf der Durchreise so eine Perspektive der Gegend und ein Gefühl für die Maßstäbe bekommt. Unser eigentliches Abendessen waren dann klasse Chickenwings bei Wingstop, aber davon ließ sich Brian nicht stören. Er hatte Rinderbraten gemacht und der muss doch gegessen werden?! Also zumindest kosten mussten wir wirklich, dafür roch es einfach zu gut. Geschmeckt hat’s genauso gut wie’s roch und es ist dann halt auch was anderes was Selbstgekochtes zu essen – Fast Food ist echt ok, aber eben Fast Food. Mit vollem Bauch und reichlich Geschichten im Ohr ging’s dann zum letzten Mal ins Bett in Denver.

20.-22.02.2020: Colorado Springs – Pikes Peak

Neue Landschaften in Colorado...

Bild 1 von 10

Aus Albuquerque war die Richtung für uns klar. Immer weiter nach Norden, es erwarteten uns 5 Tage Entspannung in Denver, Colorado. Aber weil die Strecke direkt doch etwas erschöpfend lang geworden wäre, hatten wir noch einen letzten Zwischenstopp eingeplant. Anders als bei Albuquerque aber nicht nur für ne fixe Übernachtung, sondern auch um uns ein bisschen umschauen und staunen zu können. Das Ziel hieß deshalb Colorado Springs, Colorado. Die Fahrt von New Mexico nach Colorado war angenehm und es war faszinierend zu sehen, wie schnell die Landschaft von wüstenähnlich über Prärie und Hochplateau zu voralpin, mit dicken Wäldern und reichlich Schnee wechselte. Ein bisschen schlug uns beiden schon das Herz höher: Endlich wieder dichte dunkelgrüne Wälder, Berge und Schnee – da kann man als Deutscher ja nur happy sein 😉 . Colorado Springs war dann auch eine wirklich schöne kleinere Stadt, die sich für uns sehr lebenswert anfühlte. Hier war die Trennung von Wohngebieten und „Commercial Areas“, also von kleinen Läden, Cafés und Supermärkten nicht so strikt wie sonst. Man konnte also zum Beispiel fußläufig was zu Essen erwerben oder nen Kaffee trinken gehen.
Unser Plan für Colorado Springs hatte sich in einer kurzen Google-Suche schnell ergeben: Pikes Peak befahren und dann die Innenstadt, insbesondere den Altstadt-Bereich, noch erkunden.
Pikes Peak ist ein 14.400 Fuß (4.389m) hoher Berg ca. 30 Minuten von Colorado Springs entfernt. Das besondere ist, dass man – je nach Wetterlage natürlich – mit dem Auto bis zur Spitze des Berges fahren kann. Und diese Straße mit ihren Serpentinen direkt am Berghang ist auch die eigentliche Attraktion. Schneebedingt war für uns die Fahrt ganz bis zur Spitze leider nicht möglich und wir konnten „nur“ auf 12.200 Fuß (ca. 3.700 m) rauf. Die Fahrt war aber der zu erwartende Wahnsinn. Steile, enge Kurven und das Gefühl direkt in den Himmel zu fahren, wunderschöne und dank Kaiserwetter ungestörte Ausblicke und außerdem Ruhe. Wir konnten mal wieder die Vorzüge der Nebensaison auskosten und waren für lange Strecken die einzigen zwei auf der Straße.

Das lag auch daran, dass einige Besucher bei der Ansage „heute leider nicht ganz bis zum Gipfel“ direkt umdrehten. Was für ein Fehler! Dank des Wetters konnten wir von unserem Endpunkt aus praktisch unbegrenzt weit schauen. Ein Ranger vor Ort erklärte uns, dass wir 6 Staaten von dort oben überschauen könnten. Atemberaubend! Obwohl unsere Atemlosigkeit auch ein bisschen mit den schnell bewältigten Höhenmetern zu tun hatte. Die ganze Fahrt auf den Berg dauerte nämlich gerade einmal ca. 35 Minuten. Da merkt man dann nach dem Aussteigen oben schon, was 1.900 Höhenmeter ausmachen können. Natürlich hat uns das dann nicht von fröhlicher Touri-Knipserei und dem gelegentlichen Staunen abgehalten.
Die Fahrt nach unten war dann übrigens nicht viel weniger spannend, als der Weg rauf. Die steilen Kurven verlangten nach tüchtig Motorbremse und Aufmerksamkeit wegen des umliegenden Schnees und möglicher Eisgefahr. Wir haben auf dem Weg nach unten auch noch eine essentielle Pause eingelegt und etwas wichtiges erledigt: Schneemann bauen! Hatten wir beide ewig keine Gelegenheit mehr zu gehabt und da haben wir die Chance genutzt.
Mittags war dann mal wieder lecker Barbecue angesagt. Fleisch, üppig, fettig. Die Portionen waren mal wieder groß genug, dass es für Mittag und ein späteres Abendbrot oder nen Reisesnack reichte. Direkt in der Nähe des Barbecue-Ladens war dann auch der Stadtkern von Colorado Springs. Alles ist ja größer in den USA… Alles außer historischer Stadtkerne. Ist halt ne junge Nation. Daher war die Schlenderei zwar schön aber auch nicht allzu lang. Wir haben ein paar Souvenir-Läden an- und uns generell gründlich umgeschaut, aber waren doch recht fix durch. Alles in Allem haben wir nen guten Eindruck von Colorado Springs und der Gegend bekommen und trotzdem ist es nicht in Stress ausgeartet.

18.-20.02.2020: Über Mesilla nach Albuquerque

Mal wieder ein Staatenwechsel

Bild 1 von 13

Nach dem schönen und entspannten Tag konnten wir El Paso mit der Info für die Nörgler im Gepäck verlassen: Die Stadt ist gar nicht mal so übel.
Unser Tagesziel war das nächste AirBnB in Albuquerque (Älbukörkie 😉 ), New Mexiko. Da sich das wegen der großen Distanz als ziemlicher Ritt andeutete hatten wir ein schönes Zwischenziel eingeplant. Der hoch engagierte Mitarbeiter am Chamizal Memorial in El Paso hatte uns Mesilla als kleinen Ort mit nem tollen historischen Stadtkern empfohlen und wir dachten uns: warum nicht kurz stoppen.
Ungefähr zwei oder zweieinhalb Stunden nach der Abfahrt aus El Paso, rund um die Mittagszeit, kamen wir in Mesilla an. Das historische Stadtzentrum war schnell gefunden und machte direkt nen guten Eindruck. Nicht überlaufen (Vorteile unseres Trips in der Nebensaison), viele schöne kleine Häuser um einen alten Dorfplatz. Die Kram-, Deko- und Souvenirläden haben wir uns gerne angeschaut und tatsächlich auch ein bisschen was eingesackt. Endlich ein paar neue, sehr bunte Socken für mich und für Tina ein Woll-Poncho für die frischen Abende und ein bisschen Schmuck für’s zarte Handgelenk. Letztendlich haben wir uns in den Gassen und Geschäften von Mesilla dann etwas länger herumgetrieben als zuerst geplant, aber unser großzügiger Zeitplan ließ das wiedermal zu.
Danach ging’s dann relativ direkt nach Albuquerque, wo wir leider voll in die Rush Hour gekommen sind beim Versuch unser AirBnB in einem der schnieken Vororte zu erreichen. Naja, ich würde mal sagen, Spaß is anders. Gut angekommen sind wir trotzdem, die Unterkunft war auch wieder wie erhofft und damit war auch gut für den Tag – 6/7 Stunden Autofahrt sind schon auch mal anstrengend.
Albuquerque war nur ein Zwischenhalt, da der Weg nach Denver von El Paso einfach viel zu lang gewesen wäre. Wir wollten uns dort nur etwas ausruhen, vielleicht ein bisschen Sport machen und unbedingt die letzten Erlebnisse abtippen. Glücklicherweise hat dann auch unsere Suche nach möglichen Sehenswürdigkeiten keine interessanten Ergebnisse gebracht. Es ist auch keine wirklich schöne Stadt. Sie liegt eben noch im Wüstengebiet und alles ist einfach nur braun oder ocker oder sandfarben. Aber es gibt einen alten Stadtkern mit vielen kleinen Läden. Dort haben wir uns ein gemütliches Café gesucht und unsere Pflichten abgearbeitet. 2-3 Stunden waren wir ungefähr da, bevor es wieder zurück zum AirBnB ging. Nach einer kurzen Mittagspause, bin ich noch ne Runde durch`s Viertel gerannt als Aufwärmung für unser sporadisches Bauchworkout. Man muss sich schließlich auch etwas fit halten. Außerdem macht Sport ja Spaß 🙂

16.-18.02.2020: El Paso

Tinas Frühstück

Bild 1 von 8

Der vorauseilende Eindruck von El Paso war nicht so berauschend. Anmerkungen wie „Warum fahrt ihr nach El Paso; es ist hässlich“ oder „In El Paso gibt es nicht wirklich viel zu sehen, aber ich hab die wohl besten Tacos dort gegessen“ sowie „Ein Tag reicht völlig aus“. Naja, es gab eben vom Big Bend Natl. Park nach Denver keine bessere Route. Also blieben wir bei unserem Plan und sind für 2 Nächte und den – völlig ausreichenden – vollen Tag hingefahren.
Der Highway raus aus dem Big Bend Ranch State Park war nochmal ein ganzes Stück einfach herrlich, dasselbe auf und ab wie am Tag vorher. In eine kurze Grenzkontrolle (nicht unsere erste) sind wir auch nochmal gekommen, aber die zwei deutschen Weißbrote lösen hier natürlich keinen Alarm aus. Wir passen optisch nicht ins Feindbild – für uns natürlich komfortabel aber eben auch ein kleines Zeichen vom Alltagsrassismus.
In El Paso angekommen hatten wir beim Finden unseres AirBnB zum ersten Mal etwas Probleme mit unserem Navi – irgendwer muss in der Gegend spontan Bahnschienen verlegt haben. Unser gesunder Menschenverstand gepaart mit dem geschulten Orientierungssinn zweier Weltenbummler brachte uns aber doch recht zügig ans Ziel. Uns blieb dann nur noch Abendbrot zu besorgen (Pizzapizza) und unseren Tag in El Paso zu planen.
Mein zuvor erstellter Tagesplan hat zu 100% hingehauen. Erster Pluspunkt, es war wunderbar warm. Das macht alles immer so viel einfacher. Zweiter Pluspunkt, alles liegt sehr nah beieinander, da die Stadt jetzt nicht super riesig ist – Praktisch für unseren Ein-Tages-Aufenthalt. Also starteten wir damit frühstücken zu gehen. Fußläufig konnte man ein Café mit eigener Rösterei erreichen, das viel Gutes versprach. Der Coldbrew war super lecker und die Waffeln erst. Paul hörte gar nicht mehr auf mit seinen ganzen „mmmhhmmhmmhhhhh“, während er seine Zimtschnecke aß. Wir hatten absolut keinen Zeitdruck und uns hat es dort super gefallen. Danach stand auf dem Plan den Grenzübergang nach Mexiko zu finden. Wir haben ihn gefunden, aber er war nicht ganz so beeindruckend wie das direkt daneben mitten in der Stadt situierte Chamizal National Memorial, wo wir einiges über die Ländergrenzenverschiebung durch den sich veränderten Lauf des Rio Grande und die nach Jahrzehnten vereinbarte Zurückgabe von mexikanischen Landflächen lernten. Ein sehr engagierter Mitarbeiter hat uns da geradezu mit Infos überhäuft. Dem Angebot uns auch noch nen kurzen Film zum Thema anzuschauen trauten wir uns dann nicht zu widersprechen. Aber es war mega interessant. Außerdem wird dieser Ort (und sein Äquvivalent auf mexikanischer Seite in Ciudad Juárez) dazu genutzt, um kulturelle Vielfalt und zwischenmenschlichen Respekt zu feiern. Und da sind wir ja immer dafür. Wissensgesättigt machten wir uns los um eine hippe Gegend namens „Substation“ zu begutachten. Sie wurde als modern aufgewertetes Areal, das diverse Essens- und Shoppingmöglichkeiten mit Open-Air-Feeling bietet, beschrieben. Ok. Tatsächlich war es schön aufgemacht, aber es war super klein. Egal, ich wollte ja eh nur wegen des „Greetings from El Pasos“-Graffitis hin. Also halb so wild. Substation lag auf dem Weg zum Outlet Center… YAY Shopping :-D… Beide haben wir neue Schuhe bekommen und vieles mehr. War also ein voller Erfolg. Vor allem mit nur einem kleinen Budget. Pünktlich 15min vor Sonnenuntergang kamen wir dann am Scenic Overlook an. Dort hatte man einen großartigen Blick auf El Paso und sogar über die Grenze hinaus nach Ciudad Juárez. Es war ein sehr beliebter Ort. Aber es war genug Platz für alle da. Der Sonnenuntergang zeigte sich in aller Farbenfülle. Wie die Sonnenuntergangsprofis vielleicht wissen, Wolken sind da ein signifikanter Faktor. Es lässt sich meist gar nicht so richtig auf den Bildern einfangen, aber es war einfach wunderschön. Wir waren solange da, bis es ganz dunkel war. Die Stadt ist hellbeleuchtet und wer sieht nicht gern von einem Berg hinunter auf eine beleuchtete Stadt. Das gibt dem ganzen einfach nochmal ein ganz andere Stimmung. Um unseren Hunger zu stillen, suchten wir uns etwas, was ganz in der Nähe von unserem AirBnB war. Und das war gar nicht so einfach. Vieles hatte geschlossen. Doch das L&J Café war die Lösung. Dabei handelte es sich um eine Kneipen-Restaurant-Kombination, die tolles mexikanisches Essen anboten. Im Laufe des Abends stellte sich mithilfe vieler Zeitungs- und Zeitschriftenartikel an den Wänden des gesamten Lokals heraus, dass dieses Restaurant genau in diesem Haus schon bald seinen 100sten Geburtstag feiern wird. Man konnte die ganze Geschichte anhand der Aushänge nachvollziehen. Ein Kellner war begeistert von unserem Interesse und wieß auf weitere Informationen in einem anderen Raum hin. In diesem Raum hatte man während der Prohibition das eigene Bier gebraut und versteckt… Das Essen war hervorragend und insgesamt war es ein mitreißendes Erlebnis. Sehr glücklich und zufrieden mit dem Tag fielen wir ins Bett.

Die Flaggen wehen zum Abschied von Texas

10. – 16.02.2020: Big Bend National & State Park

Sanderson war sehr praktisch um uns neu zu sortieren. So konnten wir uns gut organisiert auf dem Weg zu unserem ersten National Park machen. Wir mussten solange geradeaus fahren, bis wir unseren Orientierungspunkt „Marathon“ erreichten. Dort bogen wir nach links ab und mussten wieder nur geradeaus, bis wir den Eingang des Big Bend erreichten. Super easy also. Kein Navi notwendig :-). Ein paar Meilen vorm National Park veränderte sich die Umgebung schon langsam von riesigen Farmgeländen hinzu einer hügeligen Wüstenlandschaft mit trockenen grasähnlichen Büschen und diversen Kaktusarten; im Hintergrund gebirgsähnliche Strukturen. Am Eingang haben wir auch endlich unseren Interagency Pass („America the beautiful Pass“) bekommen, der uns die Eintrittsgebühren aller weiteren National Parks, die wir noch anfahren werden, spart. Auf den ersten Metern im Park hieß uns ein kleiner Roadrunner in der neuen Flora und Fauna willkommen.
Die Hinweisschilder zeigten, dass alle Campingplätze voll waren. Da wir nicht reserviert hatten, mussten wir also zum Visitor Center und die W-Fragen klären. Dort entstand somit der Plan, dass wir die erste Nacht im dispersed Camping (erklär ich noch), die folgenden 2 Nächte auf dem Chisos Basin Campground und die letzten 2 Nächste auf dem Rio Grande Campground verbringen werden. Glückspilze, wie wir sind, hat auch alles geklappt. Wir mussten nur immer zeitig genug auf den Campingplätzen sein und etwas Geduld mitbringen. Die kommenden Tage standen uns nun diverse Wanderungen bevor, auf die wir uns schon sehr freuten.

letzte Abbiegung vorm National Park

Bild 1 von 7

1. Pine Canyon

Der Pine Canyon ist nur auf einer unbefestigten Sandstraße zu erreichen. Hier gibt es keine entwickelten Campingplätze, sondern nur Schotterflächen mit Bärenboxen. Ja hier im Big Bend gibt es (Schwarz-)Bären, Pumas und Javelinas, die auf unser Essen (oder uns?) abfahren könnten. Da es auch keine Toiletten gab, wurde uns (mir sogar das erste Mal) erklärt, wie und wo man sein großes Geschäft verbuddeln soll – dig a nice deep hole a couple of meters away. Jaaa, das haben wir uns dann mal verkniffen… Die Sonne brannte. Es wehte kein Lüftchen. Und es gab keine Bäume um unsere Plane zu befestigen. Mit einer kleiner Notlösung haben wir immerhin 2m² Schatten kreieren können. Dann hat erstmal jeder sein Ding gemacht. Paul wollte natürlich auf den Berg hinter uns um einen besseren Ausblick zu gewinnen. Ich habe mir eine meditationsähnliche Pause gegönnt um die Umgebung besser wahrzunehmen. Dazu kann ich sagen, dass es sehr leise war. Es gab fast keine Geräusche, sodass der Flügelschlag der Vögel sogar herausstach. Neben Fliegensurren und dem Rascheln von Pauls Bergkraxeln, gab es nichts als Stille. Wahnsinn!
Kurz vorm Abendbrot, machten wir einen kleinen Spaziergang für 1,5h. Sozusagen als Wandervorbereitung für die kommenden Tage und um uns die umgebende Wüste ein bisschen anzuschauen.

2. Chisos Basin

Seid gewarnt, Bären und Berglöwen!

Bild 1 von 17

Der Window Trail

Wir mussten am nächsten Morgen gar nicht weit fahren. Es war vielleicht gerade mal 45min. Aber die Vegetation änderte sich komplett. Aufgrund der Höhenlage von ca. 1600m und der schattenspendenden Berge gab es plötzlich massig Bäume und es wurde windig und leicht frisch. Es schien, als läge der Campingplatz von Chisos Basin mitten im Krater eines Vulkans. Rundherum gipfelten sich die Berge. Am Umzugstag machten wir auch unsere erste Wanderung. Der Window Trail war ca. 6 Meilen lang und führte uns zu einer Spalte am Rande des Gebirgsbeckens. Entlang des Weges tauchten immer wieder Nischen auf, in denen man mit einem Zelt übernachten konnte. Natürlich waren die auch mit einer Bärenbox ausgestattet. Schließlich ist man der Natur so noch viel näher, als auf dem Campingplatz. Am Ende des Weges konnte man dann soweit bis zum Rand gehen, wie man wollte. Bis es eben nicht mehr ging. Es gab keine Absperrung oder Hinweisschild, das es verboten hätte. Muss also jeder selber wissen. Das war schon ziemlich aufregend und bot uns einen hervorragenden Blick ins Tal. Nach einer kleinen Snackpause gingen wir den selben Weg wieder zurück.

Tina wandert in der Schlucht

Diesmal kamen uns viele andere Camper entgegen. Eine Gruppe davon fragte, ob wir denn die Bären gesehen hätten, die ca. in 1km Entfernung gesichtet wurden. Also beeilten wir uns, damit wir sie nicht verpassen. So richtig hatten wir keine Vorstellung, aber auf einem gut einsehbaren Hügel, vielleicht 150m Luftlinie entfernt, waren sie. Drei Schwarzbärenjunge waren abwechselnd zwischen den Büschen zu sehen. Es war fantastisch. So viel Glück muss man erstmal haben, dass man bei der ersten Wanderung so ein Erlebnis haben darf. Ein Camper bot uns sein Fernglas an. Damit konnten wir sogar die Augen und die Schnauzen der kleinen Bären erkennen. Wir haben die Bären solange beobachtet, bis sie den Berg hinunterliefen und nicht mehr zu sehen waren. Uns wurde berichtet, dass in dieser Richtung in der Nähe des Flussbettes (woran wir kurz vorher vorbeigingen) Mamabär gesehen wurde. Auch wurde uns dann noch verraten, das, was wir für Wildschweinkot gehalten hatten, weil es bis nah ans Lager und auch sonst überall auf den Wegen lag, tatsächlich Bärenkot war. Die Bären sind also tatsächlich in der gesamten Gegend um den Campingplatz unterwegs und scheinen nicht viel Respekt vor den Menschen hier zu haben. Danach war es nicht mehr weit bis zum Camp und nicht mehr lang bis zum Sonnenuntergang. Auf dem Plan standen nur noch Abendbrot und Snackvorbereitungen für die große Bergwanderung am nächsten Tag.

die kleinen Punkte in der Bildmitte… Bärchen

Wir mussten relativ früh aufstehen, sodass wir pünktlich bei Sonnenaufgang losgehen und auch wieder vor Dämmerung zurück seien konnten. Es wird davon abgeraten bei Morgen- und Abenddämmerung unterwegs zu sein, weil das die aktiven Zeiten der Tiere, vor allem der Pumas, sind. Es wurde gesagt, dass egal wo man sich befindet, man sich im Territorium von mindestens einem Puma befindet. Also haben wir auf Sicherheit geplant. Außerdem stand der Trail im Park-Guide als „strenous“, also anstrengend, und wir haben ja keine Ahnung, was für ein Fitness-Massstab da angelegt wurde.

Emory Peak Trail

Kennt Ihr das auch, dieser Drang immer überall hoch zu wollen und die Welt überschauen zu können? Ich hab das gerade beim Wandern öfter und deshalb war klar, dass wir den Wanderpfad zum Gipfel des höchsten Berges im Park würden mitnehmen müssen. Die Perspektive von knapp 800 Höhenmetern Anstieg auf 8,5 km Strecke (also ne 17km Rundreise) hat uns beiden natürlich ein bisschen Respekt eingeflößt, aber nix, was die richtige Vorbereitung nicht lösen kann.
Nach dem Einstiegs-Trail gestern fühlten wir uns beide gut und so sind wir am sehr frischen Morgen tatsächlich kurz nach Sonnenaufgang losgekommen. Die Sonne hatte es noch lange nicht über die umgebenden Bergkanten geschafft und so konnten wir auf dem Weg zum ersten Zwischenziel miterleben, wie die Bergwelt langsam erwachte. Auf dem Trail waren wir fast völlig allein – wir trafen nur 4 andere Menschen vor dem Gipfel. Die Pfade waren ordentlich vorbereitet. Steinig und steil, oft treppenartig, aber nicht unangenehm zu wandern. Noch war es kein kraxeln. Die sich verändernde Natur und die teilweise atemberaubenden Ausblicke lenkten uns auch die gesamte Zeit ab. Ich musste mich schon immer wieder zwingen gefälligst auf den Weg vor mir zu achten und nicht nur in der Welt herumzuschauen. Was unsere Klamotten anging hatten wir gut gepackt und konnten deshalb ganz nach Bedarf Schichten ablegen (Sonne kommt über nen Bergkamm) oder wieder anziehen (Höhenwinde brr). Anderthalb Meilen vor dem Gipfel war ein kleines „Basislager“ eingerichtet. Es gab ein Plumpsklo und Bärenboxen, damit man nicht sein gesamtes Gepäck mit zur Spitze würde schleppen müssen. Wir haben dementsprechend umgepackt und ein wenig Kram da gelassen (die knapp 6 Liter Flüssigkeit, die wir dabei hatten waren evtl. etwas großzügig geplant). Ab hier ging es nach einer kurzen Snackpause dann wirklich zum Gipfel. Der Pfad führte die Seiten des Berges herauf, was auch weniger Schutz vor den Winden bedeutete. Auch wurde der Weg etwas gröber und das Gekraxel nahm zu. Es war aber auch im Guide angekündigt, das die letzte Strecke etwas holpriger sein würde. Ab hier waren auch die Ausblicke dann ungestört von Bäumen und Co., da es meist außen am Berg entlang ging und neben dem Weg kein Platz mehr für großen Bewuchs war. Da ging’s schon manchmal steil abwärts und von Geländern und ähnlichem hält man ja hier nicht viel. Die Konzentration und Anstrengung war also gesteigert und die Krönung waren dann die letzten 150 Meter. Ab hier war dann wirklich ein bisschen Klettern angesagt. Ein klarer Pfad war manchmal nicht mehr auszumachen und selbst wenn ging’s halt Steil über Stock und Stein den Berg rauf. Kurz vor der Spitze angekommen, trafen wir dann wieder auf zwei andere Wanderer, die auch unsicher waren, welche der zwei vor uns befindlichen Felsspitzen denn nun „die“ Spitze sei. Also bin ich die erste Spitze rauf und da das einigermaßen sicher zu machen war und sich oben ein ca. 3x3m großes Plateau befand wurden wir vier uns einig: das muss es sein. Von hier war der Blick nach unten dann alles, was man hätte erwarten wollen. Bestes Wetter, ungestörter Blick über Kilometer… Zu dritt dort oben (die Partnerin des anderen Wanderers traute sich nicht die letzten Meter zu klettern) wurden im steifen Wind ein paar Fotos geknipst und dann hieß es abwärts.
Dabei konnten wir dann nochmal die Blicke ganz anders genießen, weil man abwärts einfach etwas weniger angespannt ist. Gefühlt ging es abwärts auch zügiger aber tatsächlich gab es wohl kaum einen Tempounterschied, weil die Vorsicht dann doch keinen Talsprint zulässt. Beim Zwischenlager haben wir dann nochmal pausiert und mit dem anderen Paar (aus Charlotte, North Carolina) geschwatzt. Wir konnten ein bisschen über den Park, das Wandern und unsere Eindrücke von Charlotte erzählen. Das war auf jeden Fall ne angenehme Pause. Und weil auch die beiden etwas zu viel gepackt hatten, fiel für Tina noch ein Hummus-Spinat-Wrap ab. Ein leckeres Abendbrot für eine Gemüse-Freundin. Nach Leerung des Gipfelbierchens ging’s dann tatsächlich zurück ins Tal und die 7km vergingen recht schnell mit ein wenig Geknipse und Geschnatter. Auch kamen uns jetzt einige Wanderer mehr entgegen und es war unterhaltsam deren Chancen („zu unfit, das wird nix“; „die hätten sich bei dem Tempo früher losmachen sollen“) für uns zu besprechen. Unsere Planung jedenfalls ging prima auf und wir waren gegen 15:30, nach knapp 6,5h, am Ziel angekommen. Damit waren wir sogar etwas schneller als die Prognose im Guide (7h) versprach. Macht uns dann schon ein bisschen stolz und gibt uns das gute Gefühl uns zukünftig auf die Guide-Prognosen verlassen zu können – auch für die schwersten Trails sind wir fit genug.

3. Rio Grande Village

Nature Trail - Reiher am Start

Bild 1 von 14

Damit wir überhaupt einen Stellplatz bekommen, sind wir natürlich wieder zeitig losgefahren. Zum Glück. Denn es war windig und frisch im Basin. Über Nacht waren es -2°C. Wir hatten sogar Frost auf dem Auto. Darauf hatte ich keine Lust mehr. Innerhalb der Stunde, die wir zum Rio Grande gefahren sind, stieg die Temperatur um 20°C an. Genau richtig, um einen Tag auszuspannen. Zumindest galt das für mich. Auf der Fahrt zum Campingplatz haben wir dann auch unseren ersten Kojoten gesehen, vorher haben wir die ja nur gehört. Der Kojote schlich einzeln über die Straße und nahm sich trotz der zwei Autos, die direkt vor ihm standen noch die Zeit genüsslich auf die Straße zu machen ;-)… Naja, is schließlich sein Revier. Nachdem wir das Lager aufgebaut hatten, ging Paul die nähere Umgebung entlang des kleinen Nature Trails erkunden und ich habe in der Sonne gemalt (die Ideen mussten endlich aus meinem Kopf raus) und die Wärme in meine Knochen ziehen lassen. Zu Pauls kleinem Ausflug kann ich nicht viel sagen, außer dass es uns den Plan für einen atemberaubenden Sonnenuntergang beschert hat.

Meepmeep macht der Roadrunner

– Der Nature Trail war nur ein kurzer Weg zum nächsten Hügel, der es allerdings erlaubte die Gegend großflächig zu überschauen. Außerdem ließ er einen Zugang direkt zum sandigen Ufer des Rio grande zu. Dort habe ich mich dann eine Weile herumgetrieben und auf mich einwirken lassen, wie der Fluss vor sich hinplätschert und die Natur in der Gegend beeinflusst. Der Weg auf den Hügelwar am Abend dann für einige Camper Pflichtprogramm und der Ausblick war es wirklich wert. –

Sonnenuntergang mit Blick auf die Chisos Mountains

Nach ausgiebigem Ausschlafen starteten wir am Folgetag die nächste Wandertour. Das Ziel waren die Hot Springs (Heiße Quellen). 12km in einer Wüstenlandschaft über Hügel und ohne Schatten waren im Vergleich zur letzten Wanderung etwas völlig anderes. Der Weg ging über 3 oder 4 Hügel, immer leicht hoch und wieder runter. Zwischendurch haben wir beim Rio Grande Overlook Halt gemacht und bewundert, wie sich der Fluss durch die Wüstenlandschaft als lange Oase zieht. Unmittelbar am Rand des Flusses war es grün und bewachsen. Streckenweise war es sonst ganz schön langweilig. Alles sah gleich aus. Doch plötzlich entdeckten wir einen Ammoniten von ca. 30cm Durchmesser in einer Steinplatte am Boden. Bis dahin hatten wir gar nicht auf dem Schirm, dass wir hier nach Fossilien Ausschau halten sollten. Später entdeckten wir sogar noch einiges mehr… Kristalle, Federn, Algen, Muscheln… interessante kleine Schnitzeljagd nach dem besten Motiven. Außerdem wussten wir auch nicht so richtig, was uns am Ziel erwartet. Aber als wir angekommen waren, wurde es schell von uns erkannt, auch wenn es nicht gerade beeindruckend aussah. Es war ein befestigter Bereich, in den warmes Wasser aus dem Berg durch Rohre umgeleitet wurde. Wir schätzten die Temperatur auf ca. 35°C – also badewannenwarm. Während wir in Form von Äpfeln und Gummibärchen Energie tankten, kamen einige Leute, die wie selbstverständlich mit Badesachen in den „Pool“ gingen und es wie ein Spa genossen haben. Auf der Rücktour kamen wir noch an einem Parkplatz vorbei (quasi eine Abkürzung für die, die sich den Wanderweg nicht antun wollten). Dort wollten wir sicherheitshalber unsere Wasserflasche nochmal auffüllen. Doch leider gab es kein fließendes Wasser. Aber zufälligerweise waren unter den Badegästen das ältere Pärchen, denen wir unseren Campingplatz im Chisos Basin überlassen hatten. Sie waren so nett und gaben uns etwas Trinkwasser ab. Das war schon gut so, denn der Rückweg war noch einmal wärmer als der Hinweg, die Mittagssonne hatte Ihre Arbeit gut getan. Paul hat uns dann diszipliniert alle 30 Minuten eine kurze Trinkpause verordnet und wir sind so gut zurückgekommen. Die Einöde der Wüstenlandschaft hat mich dann zwischendurch wieder etwas gelangweilt, so dass ich vom Laufen zum lustigen Schlenkern übergegangen bin und Paul der Paparazzi hat das natürlich gefilmt. Auf jeden Fall haben wir unseren ersten Ausflug in die Wüste auch gut (und ohne Sonnenbrand) überstanden und hatten uns das leckere Abendessen und die erholsame letzte Nacht im Big Bend National Park auf jeden Fall verdient.

Schlendrian in der Wüste

4. Ross Maxwell Scenic Drive – Big Bend Ranch State Park

Fossilienausstellung

Bild 1 von 16

Wir hatten nun an drei Stellen im Park gecamped und waren wirklich gut herumgekommen und bereit uns weiter auf den Weg zu machen. Weil unsere Planung aber wieder großzügig war, hatten wir die Zeit um noch die Ausstellung zu Fossilien im Park zu besuchen, die klein aber wirklich gut war. Wir konnten hier noch einmal ein bisschen zur Entstehung des Geländes lernen (ja wie vermutet, Chisos Basin ist ein alter Vulkankrater und die ganze Gegend war mal Teil eines Meeres, vor ca. 100Mio Jahren sah es dort aus wie vor den Küsten der Malediven) und zu den vorhandenen Fossilien.
Auch den dritten großen Zeltplatz im Park wollten wir danach noch kurz besuchen, um auch die südwestliche Ecke des Parkes gesehen zu haben, aber ohne dort noch einmal zu nächtigen. Idealerweise ist der Weg zu genau diesem Campingplatz mittels einer Straße im Park angebunden, die viele Entdeckungen aus dem Auto zulässt. Auf dem Ross Maxwell Scenic Drive ging es für uns also noch einmal „kurz“ nach Santa Elena, einem Canyon an dem der Rio Grande sich aus dem Park schlängelt. Dabei fuhren wir hinter Chisos Basin entlang und konnten noch einmal einen anderen Blick auf die Gegend gewinnen. Und ganz ehrlich, ich hätte auch noch ne Woche bleiben können. Aber wir haben ja noch so viel USA vor der Nase…
Also ging es nach dem Scenic Drive aus dem Park und in Richtung Big Bend Ranch State Park. Klingt ähnlich, ist aber was anderes und vor allem schon ein gutes Stück in Richtung unseres nächsten Ziels El Paso. Die Fahrt zum Visitor Center (für Camping-Platz-Anmeldung und Orientierung) war ereignisarm, aber die Fahrt im State Park? Klasse! Der Highway im Park erinnert an ne Achterbahn, steiles Rauf und Runter, tolle Ausblicke und enge Kurven – das macht als Fahrer einfach mal richtig Laune. Ich glaube, ich hatte bisher auf keiner Straße mehr Spaß. Unseren Camping-Spot fanden wir ohne Mühe und waren dort auch schnell aufgebaut. Wir waren keine hundertfünfzig Meter vom Rio Grande und eigentlich war der Stellplatz echt schön. Das milde Klima und die Nähe zum Wasser begünstigten aber zur Dämmerung Fliegen und Mücken. Zum Glück hatten wir unsere Hängematte mit Moskitonetz aufgehangen, so dass wir darin einen entspannten Sonnenuntergang und Abend verbringen konnten. Tatsächlich war es so angenehm, dass ich mich entschloss zum ersten Mal in den Staaten auch in der Hängematte zu schlafen. Tina hatte so ausnahmsweise mehr Platz im Auto und ich konnte meinen Abenteuersinn befriedigen. Nach etwas Umbau (eine Rettungsdecke als Wärmeisolierung, war ein Geschenk von Miguel aus Austin) war die Hängematte schlafbereit und ich muss sagen, so schlecht hab ich nicht geschlafen. Natürlich reagiert man in ner Gegend mit Kojoten, Wildschweinen, Schwarzbären und vielleicht Pumas anders auf die Geräusche der Nacht, aber ich hätte es schlimmer erwartet – Müdigkeit siegt eben.

09. – 10.02.2020: Amistad Reservoir nach Sanderson, TX

Glücklicher Fund

Bild 1 von 6

Das Amistad Reservoir sollte ja nur unser erster Schritt zurück in die Welt des Camping sein, das große Ziel war der Big Bend National Park an der Grenze zu Mexiko. Weil der aber etwas weit weg vom Amistad ist (Texas is soooo groß) haben wir noch nen Zwischenstopp in Sanderson geplant um von dort dann nur noch nen kurzen Trip bis Big Bend zu haben. Das der Weg nach Sanderson auf dem Highway dann so schön wurde war ne willkommene Überraschung. West-Texas ist sehr verlassen, man sieht die texanischen Weiten meistens ungeblockt von Spuren der Zivilisation (abgesehen vom Highway). Auch der bekannte Rhythmus: Stunde Fahrt – Kleinstadt mit Tanke, Fastfood und Motel – Stunde Fahrt… wurde unterbrochen. Hier gab es, wenn überhaupt, mal ein paar Häuser, weit verstreute Ranches und einfach ne Menge sehr ansehnliches Nichts. Tina hatte an einer Stelle die Eingebung doch mal an einem der historischen Marker zu halten und ohne es vorher zu wissen wurden wir zu einem Ausblick über eine der größten Autobrücken in Texas geführt. Das führte dann auch zu ner etwas längeren Verzögerung, weil sich sowas nicht einfach in fünf Minuten abspeisen lässt. Wir haben also ordentlich Fotos gemacht und uns umgeschaut. Zeit hatten wir ja genug eingeplant für die eher kurze Fahrt nach Sanderson. Dort angekommen mussten wir dann dringlich tanken und haben dafür auch nen Premium-Preis bezahlt (Angebot-Nachfrage eben grummel). Der Ort besteht eigtl. nur aus einem Kilometer Straße, drei Motels und zwei Tanken. Was die Motels angeht haben wir aber wieder ein glückliches Händchen bewiesen. Das Erste, das wir anfuhren, war uns für die gewünschte Leistung (sauberes Bett und fließend Wasser) etwas zu teuer aber wir wurden zum Nachbarn empfohlen und da fanden wir ein liebevoll gestaltetes Motel zu erschwinglichem Preis. Die Bilder zeichnen sicher ein nettes Bild und glaubt uns, in der Regel sind Motels nicht ganz so einladend. Im einzigen Imbiss der Stadt bekamen wir dann ein gutes Essen (Tacos und ein Geflügelsalat-Sandwich) und damit waren wir glücklich und versorgt. Die Abendunterhaltung waren die Oscars (unser Favorit bei den animierten Kurzfilmen hat leider nicht gewonnen) unterbrochen von einem Überflug der ISS – die Motel-Betreiber sagten uns Bescheid, dass das gleich zu sehen sein würde und so äugten wir zusammen in den Himmel.

ein Dunk auf dem Motel-Parkplatz – Wettkampfhöhe…nicht 😉

07. – 09.02.2020: Amistad Reservoir (Del Rio, TX)

ein letztes Frühstück

Bild 1 von 15

Noch einmal toll gefüttert in ein gemütliches Bett gefallen und schon mussten wir los aus Austin. Wir haben am Morgen noch Ceci verabschiedet, bevor Sie zur Arbeit musste und dann fleißig das Auto gepackt und uns abfahrtbereit gemacht. Eigentlich wollten wir dann nur noch fix ne Schüssel Cornflakes frühstücken und los, aber als wir bei Elena ins Vorderhaus eintraten wurden wir schon erwartet. Natürlich hatte sie Frühstück vorbereitet (glaubt man’s, wie lieb wir hier behandelt werden?!). Erstmal schön Omelett mit Pilzen und Käse und danach noch gebratene Avocado. Unsere Abreise verzögerte sich dadurch ein wenig, aber es hätte uns kaum egaler sein können. Schweren Herzens sind wir dann los (evtl. musste eine Träne verdrückt werden). Nächstes Ziel: Camping am Amistad Reservoir. Der Stausee liegt ein gutes Stück westlich von Austin und wir haben auf unserer Fahrt dahin wieder die großen Straßen vermieden und deshalb besser erkennen können, wie es immer ländlicher um uns wurde. Entlang der Straßen waren unheimlich viele angefahrene Tiere zu sehen – es muss also ne Menge Tiere in der Gegend geben, wenn sich so wenig vermeiden lässt die reihenweise umzufahren. Glücklicherweise gab es auch etliche lebendige Tierchen zu erblicken. Vornehmlich Geier und unsere ersten Armadillos (Gürteltiere) in freier Wildbahn. Mit unseren versuchen mal fix anzuhalten und eins aus der Nähe zu fotografieren hatten wir aber kein Glück. Sind ein bissel schreckhaft die Gesellen.
Da der Stausee ne „National Recreational Area“ ist, gab es als erstes Ziel für uns ne Touristen-Info, die uns wunderbar bei der Zeltplatz-Suche helfen konnte und nen schönen Platz auf der Nordseite des Sees empfehlen konnte. Schön ruhig, etwas weiter ab vom Schuss und schon in Richtung unseres späteren nächsten Etappenziels. Der Platz war dann in 15 Minuten erreicht und war schön verlassen – begrüßt wurden wir von nem Rehbock, der über die Straße sprang und dann einer Ziege mit zwei kleinen Zicklein. Wir konnten dann also frei wählen, welchen der 6 Stellplätze wir haben möchten.
Wir haben uns eingerichtet, gegessen und dann wurde es auch langsam dunkel. Es war Vollmond, weshalb es tatsächlich nicht so richtig dunkel wurde. Das Licht war wie in den alten Westernfilmen, ganz blau aber trotzdem hell genug, dass man scharf umrissene Schatten werfen konnte – im Film wurde dafür gerne mal Tageslicht dunkel geschummelt, aber jetzt haben wir gesehen: das gibt’s wirklich.
Am nächsten Morgen strahlte die Sonne schon vom Himmel, deshalb stand unserem Plan die Gegend zu erkunden nix im Wege. Es wurde ein Spaziergang durch Hitze-erprobte Büsche und Sträucher zu einem der Seitenarme des Stausees und dann rundherum bis zurück zur Bootsrampe an unserem Campingplatz. Die Natur war für uns echt spannend – erste Züge der Wüste waren zu erkennen, aber der See lässt halt noch üppigen Pflanzenwuchs zu. Es gab viele Vögel und auf der anderen Seite des Seitenarmes waren viele Rehe und Ziegen beim Grasen und Trinken zu sehen. Auf dem Rückweg zum Camp brannte die Sonne dann schon ziemlich hart vom Himmel – es waren aber auch die Mittagsstunden. Wir haben uns deshalb entschlossen unser Camp etwas zu verlegen um mehr Schatten auf dem Auto zu haben und eine der Campingbänke mit schattigem Dach gesucht. Dort ließ sich dann das Essen ohne Sonnenbrand zubereiten und ich konnte auch ein bisschen am Laptop schreiben. Tina nutzte die Zeit um etwas Sonne zu tanken und entdeckte dabei ein bisschen weiter die Straße herunter ein Armadillo, dass sich im Gras rumtrieb. Also bekamen wir doch noch die Chance einen von den kleinen Kerlen auf’s Bild zu bannen. Der Abend und Sonnenuntergang waren wieder sehr schön und wurden abgelöst durch ne weitere Westernnacht in blauem Licht.

Es wuselt hier: ein Gürteltier

29.01. – 06.02.2020: Austin – La Familia Stoupignan

Endlich in Austin!
Die Abreise vom Campingplatz ging diesmal schon echt zügig. Wir werden routinierter merkt man. Also brauchen wir dringend ne Pause vom Camping 😉
Am frühen Nachmittag kamen wir in Austin an. Wir haben erstmal fix bei nem McDonalds halt gemacht um über das dortige WiFi die Möglichkeit zu haben uns bei unseren Gastgebern, Familie Stoupignan, anzukündigen. Dann sind wir noch zum lokalen Supermarkt gefahren um nicht ganz mit leeren Händen vor der Tür zu stehen, aber gegen 2 waren wir da. Es fühlt sich schon toll an so nach knapp nem Monat ne vertrautere Straße entlang zu fahren und die Haustür wiederzuerkennen. Als wir 2018 hier waren, war das das absolute Highlight unserer kleinen Südstaaten-Tour, und wir haben uns in diese texikanische Familie verliebt (die Stoupignans sind Mexican-Americans oder TexMex). Empfangen wurden wir von Miguel und Elena, diensthabende Abuelito y Abuelita (Opi und Omi) der Familie. Die beiden sind einfach die herrlichsten Menschen, sofort wieder herzlich als hätte man sich erst gestern gesehen und mi casa es tu casa ist hier so wahr. Wir waren sofort angekommen. Das Haus der beiden (la casita) ist das vordere von zweien, im hinteren Neubau (entworfen und im Bau geleitet von Elena) wohnt Cecilia, die Tochter und ehemalige Kollegin von Tina – über die Arbeit haben die beiden sich 2016 kennengelernt und seit dem ist eine wirklich herzliche Freundschaft draus gewachsen. Tatsächlich arbeiten auch Miguel und Elena noch teilzeitlich für Tinas alte Firma. Bei Ceci im Haus waren wir dann auch untergebracht, aber in beiden Häusern haben wir uns die ganze Zeit sehr zuhause gefühlt.
Und gerade weil das unser zweiter Aufenthalt in Austin war, fühlte es sich jetzt wie Urlaub an. Kein Druck, dringend etwas besichtigen zu müssen, keine fixen Termine. Einfach wohlfühlen, mal ungestraft abhängen und unter lieben Menschen sein.
Die Beschreibung wird daher jetzt auch nicht detailgenau und chronologisch sondern etwas anders.
Witzig waren definitiv zwei Zufälle: bei unserer Ankunft und bis zum Samstag (01.02.) war Grit aus Hennigsdorf zu Besuch bei Fiagon in Austin (Tinas alter Arbeitgeber), weshalb wir etwas deutsche Gesellschaft hatten und am Dienstag war Nick, unser Gastgeber aus Charlotte auch in Austin wg. Fiagon (ihr erkennt den unsichtbaren Faden?) und wir hatten nochmal nen schönen Abend zusammen.
Zusätzliche Info: Eigentlich hatten wir unsere Abreise nach einer Woche, also für den Mittwoch geplant. Nachdem wir am Dienstag noch schön im Zilker Park hatten Beachvolleyball spielen können, stürzten allerdings Mittwoch die Temperaturen derart ab, dass es zu Schnee in Austin kam! Das ist schon ein ziemlicher Temperaturumschwung von ca. 20° und noch dazu ist Schnee in Austin ein echtes Ereignis. Was die Germans so für Wetter mitbringen… Die Abreise haben wir also dann auf den 07.02. verlegen „müssen“. So richtig geärgert haben wir uns über den weiteren Tag ehrlich gesagt aber nicht.

Essen in Austin:

Es geht nichts über die hausgemachte Küche! Ob Elena oder Miguel, wann immer die beiden sich an den Herd begeben, sitzen wir einfach gespannnt am Küchentresen und sind glücklich über Tacos, Egg-in-a-Hole, gebratenes Gemüse usw. Wir sind hier wirklich verwöhnt was das angeht. Der Wechsel zurück auf Campingküche wird da hoffentlich nicht zu schwer. Ansonsten haben wir uns natürlich auch mal von „Profis bekochen lassen und einige tolle Restaurants ausprobiert. 888 PanAsian Cuisine gabs an unserem zweiten Abend mit Ceci und es war einfach lecker. Nach einem durchzechten Freitag gab’s Mexican Food in der Taqueria Arandas gleich um die Ecke, was die Lebensgeister direkt wieder weckte. Beim Spaziergang durch Downtown haben wir beim Whole Foods 12 Sachen vom fantastischen Buffet probiert (vom gebackenen Blumenkohl, gebratenen Bohnen, Curry-Möhre über Mac’n Cheese und Chicken Wings) und zum vermeintlichen Abschiedsessen gab’s klasse Burger von P.Terry’s. Natürlich gab’s auch einmal Texas Barbeque und ich kann nur sagen: Rudy’s BBQ! Die Würstchen haben uns überzeugt, aber die Rippchen und das Brisket waren auch himmlisch. Zweimal konnten wir uns auch ein bisschen bedanken und haben Ceci mit unseren Spaghetti Aglio et Olio oder Eierkuchen ein bisschen verwöhnt. Wegen unserer ungeplanten Aufenthaltsverlängerung bekamen wir noch ein zweites Abschiedsessen. Miguel und Elena zauberten uns erst eine schöne Käseplatte und danach Lachsfilet (auf der Haut gebraten) mit Rosmarin, Reis und gebratenem Gemüse. Den Abschiedsschmerz verringert so ein Schmaus sicher nicht – da will man einfach bleiben.
Zu unserem ganzen Essen am Superbowl Sunday kommt später mehr (ich glaub ich verdaue das immernoch 😉 )

Joggingschuh und Gaspedal im Barton Creek

Bild 1 von 11

Austin erkunden:

Natürlich sind wir jetzt nicht so versnobbt, nach einem Besuch Austin gar nicht mehr kennenlernen zu wollen. Wir haben die Chance genutzt und den nahgelegenen Barton Creek Greenbelt mit Joggingschuhen erkundet und das ganze zweimal in verschiedene Richtungen. Es ist ein wirklich sehr schönes und auch von den Austinites gut angenommenes Naturschutzgebiet rund um einen langen Bach, das an manchen Stellen noch ziemlichen Wildnischarakter besitzt. Sollten wir nochmal die Chance bekommen, werden wir das sicher noch weiter erkunden wollen.
Weil Austin einige wirklich schöne und auch gut angebundene Parkanlagen und Pfade besitzt haben wir auch den River Trail am Colorado noch einmal abspaziert auf unserem Weg nach Downtown Austin. Ziel der Tour (neben dem Sammeln neuer Eindrücke) war das kleine aber feine Violet Crown Cinema. Dort haben wir uns die dieses Jahr für einen Oscar nominierten animierten Kurzfilme angesehen. Hatten wir so auch noch nie gemacht und war eine echt gute Idee. Als Ausgleich für’s Rumhocken im Kino ging’s dann fußläufig wieder zurück zum Startpunkt im Zilker Park, wo wir noch eine Stunde Beachvolleyball spielen konnten, bevor wir uns vom Sonnenuntergang über der City begeistern ließen.

Die Männer unter sich ;-) - Vorglühen und Schnattern

Bild 1 von 9

Party und Gönnung:

Austin ist eine junge und partyfreudige Stadt. Den Plan mindestens einmal ordentlich auszugehen mussten wir gegenüber Cecilia gar nicht aussprechen. Zusätzlich half, dass Ihr Sohn Erik seit ner Weile neben dem College auf der 6th Street als Barkeeper arbeitet. Die 6th ist die Kneipenmeile von Austin und schon bei unserem letzten Besuch bot Sie uns ne Menge Gelegenheiten zum Tanken und Tanzen. Nach gründlichem Vorglühen mit Miguel, Elena und Grit (die eingangs erwähnte Randberlinerin), ging’s also los. Erster Stopp: Pete’s Dueling Piano Bar. Eine Bühne, zwei Pianos und 6 Musiker. Jeder spielt so ziemlich jedes Instrument. Es wurden nur Hits und Wünsche vom Publikum gespielt und dieses zum kräftigen Mitgröhlen animiert. Welche Seite der Bar lauter war? Ich glaub das hat keinen geschert, aber Spaß hatten alle. Ein bisschen wie Karaoke mit dem vielen Mitsingen, aber der Blamage-Grad war deutlich geringer. Die zwei Pitcher Moscow Mule halfen uns da sicher auch 🙂
Danach ging’s zu Erik in die Lit Lounge. Von Erik als „Dirty Bar“ angekündigt, muss der leidgeprüfte Berliner klar attestieren: dit is nich dreckich! Andere Standards halt in den Staaten. Auch Drinks und Musik waren gut, so dass wir noch ein bisschen in Bewegung kamen. Man muss die Getränke ja abtanzen.
Der folgende Gammelsamstag war damit verdient und abgesehen vom späten Mexican-Breakfast und dem Abliefern von Grit am Flughafen für deren Rückflug nach Berlin gab’s keine Erledigungen. Die Kraft reichte gerade noch um Abends mit Miguel und Elena die Daily Show und Stephen Colbert zu schauen. Naja, wir mussten uns ja auch vorbereiten für:
Superbowl Sunday!
Endlich mal in America das große Spiel schauen. Wollte ich schon lange und daher nahm die Aufregung langsam zu. Wir sind am Vormittag nochmal im Greenbelt laufen gewesen und dann ging die Schlemmerei auch direkt mit selbstgemachten Breakfast-Tacos los. Ich hatte 6 (ja, das ist eine fast normale Menge). Danach wurde organisiert/vorbereitet, Snacks, Getränke, Essen. Auf der Speisekarte: Chicken Wings, Buffalo Style und Pesto. Hotdogs. Nachos. Seven Layer Dip. Pretzel Bites. Käsedip. Chips. Jalapeno Poppers. Gooey Brownies. Dazu Beer und Softdrinks oder eben Longdrinks und Cocktails nach Gusto. Ein Gelage sag ich euch. Geschaut haben wir dann im Familienkreis mit den Großellis, Ceci, Erik und seiner Freundin Lauren sowie zwei Freunden von den beiden. Das Spiel war spannend und unterhaltsam und da wir uns alle mehr für die Kansas City Chiefs begeistern konnten, war die Freude über den Spielausgang auch groß. Ich würde das ganze mal mit Olympia oder Fußball-WM/-EM vergleichen wollen. Die Leute sind allerdings nur wirklich fanatisch, wenn auch ihr Team spielt. Sonst ist es einfach großes Kino und viel Wert liegen auf der Halbzeitshow (diesmal schon ok und damit Welten besser als 2019) und den Werbespots – und ja, die sind so gut, wie immer behauptet wird. Kann man natürlich nicht mit Deutschland vergleichen, wo ich immer bis tief in die Nacht warten musste und in den Pausen und Auszeiten immer dieselben drei Werbespots kommen. Für uns beide war das definitiv ein cooles Erlebnis und hat sicher auch Einmaligkeitswert.
Der nächste Tag war dann wieder zur Erholung nötig – ich hatte mich überaschenderweise völlig überfressen und daher kaum gepennt. Als erholsames Abendprogramm (Ceci musste schließlich sogar ganz normal arbeiten die Arme) gab’s dann eine Premiere für Tina: Zum ersten Mal „Pretty Woman“ geschaut (für mich zumindest zum ersten Mal in Englisch). Und wo wir bei Filmen sind, unser Favorit bei den animierten Kurzfilmen: Memoráble. Und der aktuelle Elton John-Film Rocketman (haben wir am Mittwoch alle zusammen auf einer Couch geschaut und gründlich mitgeträllert) is auch nicht langweilig.

Fazit:

Urlaub vom Sabbatical. Klar freuen wir uns wieder loszumachen und unseren ersten Nationalpark an der Grenze zu Mexiko anzusteuern, aber ein bisschen blutet uns beiden das Herz von Elena, Miguel, Ceci und Erik Abschied nehmen zu müssen. Wenn wir hier in den USA sowas hatten, dann war Austin unser Zuhause. Wir bekommen hoffentlich irgendwann irgendwie die Chance uns für die Wärme und Gastfreundschaft, die wir hier wieder erfahren durften, revanchieren zu können. We love Austin – our Capital of Texico!

28.01.2020: Lake Somerville, Nails Creek Unit

Unser kleines Camp

Bild 1 von 7

Der zweite Tag auf einem Campingplatz. Was ergab sich also über Nacht? Regen. Wir sind es jetzt langsam gewöhnt und auch ein bisschen dankbar, dass es beim Aufbau unseres kleinen Lagers immer recht angenehm und trocken ist – auf den Regen am nächsten Tag ist dafür bisher genauso verlass. Da wir am Abend zuvor beim „Self-Check-In“ mittels Briefchen unsere Anwesenheit kundgetan hatten, wollten wir nun erstmal zum Ranger’s Office um eine Wetterprognose zu erfragen und gegebenenfalls noch eine Nacht zu verlängern. Die Mitarbeiterin am Eingang war wie immer echt freundlich und gab uns gute Aussichten für den restlichen Tag und ein paar Wandertipps mit auf den Weg. Also blieben wir noch ne Nacht. Da es noch ziemlich früh war, packten wir gleich unser Wandersäckchen und waren nach nem kleinen Frühstück auch schon unterwegs. Der ganze See ist umsäumt von verschiedenen recht gut erkennbaren Wanderpfaden und wir haben uns von einem auf den anderen führen lassen. Dabei konnten wir die recht zügige Verbesserung des Wetters (sogar besser als angekündigt) genießen und haben einige Natureindrücke sammeln können. Die Gegenwart von Alligatoren wurde uns zwar nur an den Überresten ihrer Mahlzeiten deutlich (hier mal ein Wildschweinkiefer, da mal ein Rehrücken…) aber was Rehe und Vögel anbelangt war die Tierwelt meist ohne viel Aufwand zu bestaunen. Wir mussten auch regelmäßig nen konzentrierten Blick nach unten werfen um den Blattschneiderameisen nicht ihre Transportrouten zu zertrampeln. In der Form hatten wir beide die fleißigen Völkchen noch nie in Action gesehen und es war schon cool, ihren Wegen teilweise über 20m zu folgen um zu sehen, wo sie ihre üppige Fracht (alles an Blättern und Grün, was zu tragen ist) hinwuchten.

ein fleißiges Völkchen

Den von der Rangerin angepriesenen Aussichtspunkt konnten wir wegen Baumfällarbeiten leider nicht erreichen – ein selbstgewählter Umweg führte dann auch zur einzig unfreundlichen Begegnung bisher. Beim Herumwandern abseits der markierten Pfade entdeckte ich eine Landzunge in den See hinein, die einen guten Ausblick versprach. Ich bin also los durch’s leicht sumpfige Gras und war schon halb am Ende der Landzunge als plötzlich ein schwarzer Hund (die Rangerin später: „Oh wilde Hunde? Ja das gibt’s hier manchmal.“ Danke für die späte Info) ziemlich angepisst kläffend auf mich zugestürmt kam. Scheinbar genügten aber meine paar Schritte rückwärts (niemals den Rücken zudrehen!) und der beherzte Griff nach einem großen Stock um dem Tier klarzumachen, dass ich nicht auf Stress, aber auch nicht auf Knabberspuren aus bin. Dann also kein Bild von der Landzunge 😉
Auf dem Rückweg zu unserem Camp entdeckten wir dann noch ziemlich ordentliche Duschanlagen, die uns am nächsten Morgen helfen sollten nicht ganz so versifft in Austin aufzuschlagen.
Der letzte große Tagesordnungspunkt, zurück im Lager nach knapp 10.5 km Wanderung, sollte dann ein deftiges Essen sein. Auf dem Menü standen Kindheitsträume. Ich weiß nicht, ob euch Bud Spencer und Terrence Hill ein Begriff sind, für mich und meinen Bruder und einige meiner engsten Freunde sind sie Jugendhelden und ihre Filme immer noch die ideale Sonntagsunterhaltung. Daher ist Bohnen mit Würstchen (Speck hatten wir gerade nicht), gegessen direkt aus der Pfanne mit dem großen Holzlöffel, auch zugleich Mahlzeit und Wunscherfüllung. Einmal wie die Westerntrollos aus Italien mampfen. Das es dann auch für Tina echt lecker war, war natürlich das Tüpfelchen auf dem i.
Danach haben wir den Tag entspannt ausklingen lassen und den Wildnis-Level im Auto runtergefahren. Es gab Netflix&Chill, also hinlümmeln und ein Filmchen. Die 3.5h von die Irishman waren für Tina aber etwas zu lang – ich kann’s verstehen, der beste Scorsese war’s nicht.

27.01.2020: Lufkin – Crockett – Nails Creek Unit

Mal die Beine vertreten in Crocket

Bild 1 von 6

Nach dem Aufstehen mussten wir noch festlegen, welchen Campingplatz wir für die folgenden zwei Nächte aufsuchen wollen. Zum Glück ging das ziemlich schnell. Wir haben uns einfach an unserem nächsten Ziel, für das wir uns ab Mittwoch 29.1. angemeldet hatten, orientiert. Wir schauten, wo in der Nähe von Austin ein etwas größerer See liegt und haben einen bei Google sehr gut bewerteten Campingplatz direkt an dessen Rand ausgewählt. Dann packten wir mal wieder alles zusammen und machten uns langsam auf den Weg. Bevor wir uns aber so richtig auf die Spur machen konnten, mussten wir noch tanken, einkaufen und zu Mittag essen… Das Zwischenziel war die kleine Stadt Crockett. Diese ist nach Davy Crockett benannt – der Typ, der immer mit ner Waschbärenmütze dargestellt wird. Auf dem Weg nach Alamo muss er wohl an diesem Ort im Jahr 1883 eine Nacht Rast gehalten haben. Wir haben uns ein bisschen Zeit genommen und einen Eindruck vom Städtchen rund um den zentralen Platz gemacht. Der Central Court Square war niedlich mit nem Bistro, verschiedenen Accessoire Shops und dem Sitz des lokalen Radiosenders (Musik war teilweise auf dem Platz zu hören), dessen Sprecher man durch das Schaufenster bei der Arbeit hätte zuschauen können. Ein paar Straßen weiter fanden wir ebenfalls den Sitz der lokalen Zeitung und es gab jede Menge prächtige, sehr gepflegte Häuser mit ihren Geschichten, welche auf den Historical Markern nachzulesen waren. Zusammenfassend ist Crockett eine Kleinstadt, um die man sich sehr bemüht. Das ist deutlich erkennbar gewesen. Einen Hauch von Frühling konnten wir auch schon entdecken.
Nach unserer kleinen Pause fuhren wir ununterbrochen zu unserem ausgewählten Campingplatz. Es war nämlich keine Zeit mehr für eine weitere Pause, da wir sonst nicht mehr bei Tageslicht angekommen wären. Immerhin hatten wir so noch ca 45min um unser Lager aufzubauen. Das war dann in der Dunkelheit auch geschafft.
— Hier ein kurzer Nachtrag von dem, der sich auch im Dunkeln noch weiter als drei Meter vom Auto weg traute.
Mit anbrechender Dämmerung waren uns schon auf dem Weg zum Zeltplatz ein paar Rehe aufgefallen. Dieses Zeichen einer recht lebhaften Fauna bestätigte sich dann mit schwindendem Tageslicht immer weiter. Als ich mich gegen halb Neun in Richtung (außerordentlich sauberes) Klohäuschen aufmachte, wurde es für einen Stadtjungen schon spannend. Seit Sonnenuntergang waren nicht zu weit entfernt die Rufe – oder besser das Gejaule – von Kojoten zu hören. Woher wir wussten, dass es Kojoten waren? Red Dead Redemption 🙂 Sag nochmal einer was gegen Zocken…
Auf dem Weg zum Klo wurde das Gejaule erstmal immer lauter, ich bewegte mich also auf das Rudel zu, um dann auf einmal plötzlich zu verstummen. Irgendwie fühlte ich mich dann schon etwas beobachtet. Ich bin dann also fix ins Klohaus rein und habe die wichtigsten Dinge erledigt. Auf dem Rückweg waren erstmal keine Kojoten mehr zu hören, aber mit meiner Lampe konnte ich im Gebüsch in der Nähe der Mülltonnen ein paar kleine Leuchtpunkte ausmachen, die erst verharrten und dann mit einem Rascheln verschwanden. Meine Meinung: Trash-Pandas. Ansonsten raschelte es generell heftig am Weg entlang. Da waren sicher wieder ein paar Rehe aufgeschreckt oder ein größeres Nagetier beim Mümmeln gestört worden. Zurück am Auto war ich dann schon froh, dass unser „Zelt“ aus Blech und Sicherheitsglas besteht. Kleines Abenteuer reicht ja für den Anfang.

26.01.2020: Lufkin Motel 6

Ein waschechter Abreisetag… Es hat nach 2 wunderschönen, sonnigen Tagen wieder die ganze Nacht durchgeregnet und auch morgens nicht aufgehört. Also gab es schnell für jeden ne Portion Cornflakes im Auto, bevor es ans Abbauen und Zusammenräumen aller Dinge ging. Hatte mich schon gut an unser kleines Camp gewöhnt. Doch es wurde Zeit weiterzufahren.
Nach 5 Tagen Camping ohne richtige Sanitäranlagen, sondern nur mit einem Plumpsklo (wenn auch ziemlich in Ordnung und ich hatte mein Frauenklo quasi für mich alleine) und einem See, sehnten wir uns nach einem vernünftigen Bett und einer warmen Dusche. Außerdem war unser ganzes Essen aufgebraucht. Das Wasser wurde auch knapp. Also fuhren wir in den nächsten Ort um zu frühstücken mit WLAN und Stromversorgung. McDonalds hatte alles. Wir haben uns dort gestärkt, jede Menge Vorarbeit für unseren Blog geleistet, nebenbei den Laptop voll aufgeladen und recherchiert, wo wir schlafen und ein spätes Mittagessen herbekommen werden. Das Ergebnis der Suche war, dass wir in dem Ort bleiben und das nebenan liegende Motel 6 hat sich preislich hervorragend dafür angeboten. Super Standard für gerade mal 43$. Es war wirklich nur ein Parkplatz weiter. Perfekt! Umso schneller konnten wir uns neu sortieren, duschen und das WLAN des Motels nutzen um den Blog weiter zu aktualisieren. Nachdem wir uns dann auch noch bei Panda Express super satt gegessen haben, ging es an die letzten Uploads und Anpassungen der Tagebucheinträge. Nebenbei haben wir die Grammy-Verleihung geschaut und die alles dominierenden News rund um Kobe Bryant verdaut.

21. – 25.01.2020: Camping im Sabine National Forest

Tag 1: Auf zum Camping

Weiter ging es den nächsten Tag auf dem Natchez Trail Parkway bis, wie der Name schon sagt, nach Natchez. Dort haben wir den Staat Mississippi verlassen. Wir durften ja vor eineinhalb Jahren schon mal den Mississippi (Fluss) überqueren. Aber auch diesmal war es wieder toll. Der ist einfach soooo riesig! Auf der anderen Seite angekommen, waren wir nun im Staat Louisiana und machten erstmal eine kleine Mittagspause. Es gab eh nur kalte Pizza, Burger- und Pommesreste vom Vortag. Außerdem bringt der Mississippi um die Jahreszeit meistens kalten Wind mit sich. Aber die Sonne schien. Somit haben wir es immerhin eine halbe Stunde ausgehalten und den Anblick genossen.
Jetzt waren es nur noch ca. 3h bis zum Sabine National Forest, wo wir die nächsten 4-5 Tage verbringen wollten.

Tag 2: Langeweile?! Was ist das?

Die Nacht war kalt und leider startete der Tag mit Regen. Ein Rezept für einen eher ungemütlichen Morgen. Uns war sehr schnell klar, dass das einen Tag im/am Auto bedeuten würde. Also kuschelten wir uns zusammen und überlegten, was wir auf engem Raum alles so machen können. So wurde das Frühstück so weit wie möglich nach hinten verschoben. Die Idee war, nur 2x Essen machen zu müssen. Dann haben wir gelesen. Paul hat zwischendurch seine Beschäftigung gewechselt und hat The Witcher geschaut… Irgendwann kam dann tatsächlich Langeweile auf. Ich hab echt keine Ahnung, wann ich das das letzte Mal gefühlt hatte. Ich hab ja nicht wirklich ein Problem damit, mal absolut nichts zu machen. Aber Paul war auf Entzug. Er wurde ziemlich hibbelig. Es waren da aber auch nur noch 2h bis zum Sonnenuntergang und wir wollten auf jeden Fall im Hellen kochen. Die Lichterkette musste ja auch noch aufgehangen werden für mehr Gemütlichkeit, wenn man schon den ganzen Tag im Auto verbringen muss. Es war dann gerade noch genug Zeit, das Abendbrot zuzubereiten. Paul hat sich darum gekümmert. Es gab Nudeln mit Tomatensoße. Das Regenwasser, dass sich auf unserer Plane gesammelt hatten, konnten wir auch noch nutzen. Wir hatten echt nicht genug Wasser für 5 Tage dabei – Anfängerfehler. Also sammelten wir es erstmal, um es später zu filtern und abzukochen… REAL SURVIVAL LIFE… Nach dem Essen hat es tatsächlich mal für eine halbe Stunde aufgehört zu regnen. Das haben wir genutzt um die andere geschlossene Seite des Campingplatzes zu erkunden. Es war etwas chaotisch und gleichzeitig verwunschen. Man konnte teilweise den Campingplatz erkennen, aber die Pflanzenwelt hat sich alles wieder zurückgeholt. Es wirkte sehr verlassen. Das machte es aber umso interessanter, vor allem bei Sonnenuntergangslicht… Abends haben wir noch nen Film geschaut (Ocean´s Eight). Immerhin war es dann schon 20 Uhr. Wir haben noch ne Runde Schiffe versenken gespielt…Ich habe gewonnen :-D…Es war super knapp. Paul brauchte auch nur noch einen Treffer.

Tag 3: Endlich Sonne 🙂

Das gilt als sonnig!

Bild 1 von 6

Am sehr frühen Morgen veränderte sich etwas in unserer Höhle, die Akustik. Irgendwie fehlte auf einmal das leichte Trommeln auf unserem Autodach… Was im Halbschlaf nicht so ganz bei uns ankam, wurde beim Blick aus dem Fenster nach Sonnenaufgang freudig registriert. Endlich trockenes und richtig freundliches Wetter. Wie das die Stimmung hebt muss ich wohl nicht näher erwähnen. Für uns war das direkt ne Chance unser Lager etwas aufzuräumen und die Dinge des Tages (Essen, Tagebuch usw.) nach draußen zu verlegen. Leider blieb das Wetter nicht dauerhaft hübsch, Tinas Wetterbericht hatte das auch angedeutet. Also Sachen wieder rein, noch ein wenig Zeitvertreib im Auto und wenn man erlich ist, dann ist ein Sonnenuntergang mit ein paar angestrahlten Wolken ja manchmal auch schöner. Mit dem Highlight des Tages hatten wir dann in der Dunkelheit nicht mehr gerechnet, aber auf dem Weg zur Toilette sahen wir auf einmal einen atemberaubenden Sternenhimmel. Wir hatten nicht mitbekommen, dass sich die Wolken gänzlich verzogen hatten und so fiel uns ein bisschen der Kiefer auf dem Boden. Der Sternenhimmel ist abseits des Lichtsmogs der Städte einfach was anderes. Nach ner Weile Begeisterung haben wir dann die Gelegenheit genutzt die Nacht- und Langzeitbelichtungsfunktionen unserer Handies mal ausführlicher zu testen. Vielleicht vermittelt das nen kleinen Eindruck vom Spektakel.
In der Hoffnung, dass die Wolkenlosigkeit für länger einstellen würde, ging’s dann ins Bett.

Tag 4: Camp erkunden

Wilde Natur am See

Bild 1 von 10

Ha, hoffen hilft! Sonne, keine Wolken, Kaiserwetter. Also haben wir die lang gehegten Pläne zur Erkundung des gesamten Areals in die Tat umgesetzt. Tatsächlich war unser Loop – also der kleine Campingbereich – der einzig aufgeräumte. Die anderen beiden waren gründlich verwildert. Das ist für so nen Wandertag natürlich spannender. Der Campingplatz lag auf ner Halbinsel und die haben wir dann langsam für uns am Ufer entlang erschlossen. Dabei gab’s schöne Seeblicke und die Not vorsichtig zu treten. Zumindest eine überwinternde Schildkröte haben wir gesehen, aber wir wollten sicher nicht aus Versehen auf andere treten. Was auf der verlassenen Seite besser war, als auf unserer, war der Zugang zum See. Wir fanden einen schönen Einstieg und ich konnte mich nicht zurückhalten zumindest mal kurz reinzuflitzen. Well, Seen sind im Winter kalt, auch in Ost-Texas. Erfrischend war’s allemal und die Sonne hatte mich hinterher in nullkommanix getrocknet. Plan für Morgen: definitv zum Baden zurückkommen! Zurück am Lager bestand wegen des guten Wetters nun zum ersten Mal die Möglichkeit auf ein schönes Lagerfeuer und Tina war sofort fleißig dabei Holz zu sammeln. Danach zur Belohnung die Hängematte raus und ein bisschen entspannt rumgebaumelt. That’s Camping for Me!
Dank Tinas gründlicher Vorsortierung des Feuerholzes war es ein Kinderspiel ein ordentliches Feuer zu bauen und mit 2 Tampons und unserem Feuerstahl war das Feuer blitzschnell angezündet (Wir versuchen das beim nächste Mal zu filmen). Von da an wurde fleißig gekokelt und das älteste TV-Programm der Welt bewundert: Feuer. Als wir gegen 22 Uhr feststellten, dass wir es wohl nicht schaffen würden das ganze Holz wegzukokeln, haben wir es langsam runterbrennen lassen und sind dann gut geräuchert ins Bett gekrochen. Solche Tage? Gerne öfter.

Tag 5: Badetag

In der Nacht nahm der Wind wieder zu und leider waren auch wieder einige Tropfen zu hören. Der Blick in die Feuerstelle am morgen war dennoch vielversprechend. Unsere Pyromanie hatte einen Glutherd hinterlassen, der schnell wieder zu entfachen war. Der Regen war auch nur ein nächtlicher Besucher, so dass unserem Badetag nichts im Weg stand. Nach dem Frühstück wurden die Handücher und Decken eingepackt und wir sind los zum „Strand“. Tina hielt erstmal nur den Zeh rein und irgendwie machte Ihr das den Entschluss reinzuspringen erstmal nicht einfacher. Noch dazu waren heute viel mehr Angler in Ihren Booten unterwegs und die Texaner, Amis generell, sind nicht so offen für Nackedeis (Badesachen wollten wir jetzt nicht extra nass machen). Nach ein wenig Überzeugungsarbeit ergab sich dann aber ein ruhiger Moment ohne Boote und wir sind beide – eher kurz – rein in den See. Herrlich. Danach in die Sonne brezeln und vergessen, dass Januar ist.
Die Prozedur haben wir nochmal wiederholt und sind dann zurück zum Lager für das nächste Highlight: Kochen auf dem Lagerfeuer. Lecker Nudeln mit Käse und Tomatensoße. Klappte prima, schmeckte lecker und war auch nicht sonderlich kompliziert. Wird wiederholt.
Danach sind wir nochmal fix los und haben uns ein paar besonders brennbare Sachen (trockene Tannennadeln und Blätter, jede Menge Rinde) besorgt um unser Abschlussfeuer eindrucksvoll gestalten zu können. Letztendlich klappte auch das wie geplant und der letzte Abend am See war ziemlich perfekt.

Rinde brennt… gut 🙂

20.01.2020: Schnell weg

Wir wollten beide so schnell wie möglich aus dem Motel weg. Also haben wir zügig zusammengepackt. Als wir die Tür öffneten, hat es sogar ganz leicht geschneit. Spätestens dann waren wir uns sicher, dass wir wieder mehr Richtung Süden wollten. Es war echt schweinekalt und es sollte noch kälter werden. Es ging zurück auf den recht einsamen aber echt schönen Highway. Wir haben uns schon vor Nashville entschieden die Interstates (wie Autobahnen ungefähr) mehr zu meiden und eher Highway oder kleiner zu fahren. Die einsame und gestern noch so dunkle Straße: Devils Backbone. Einfach echt die schönere Fahrt, vorbei an National Forests und dutzenden Historical Markern. So sind wir dann 5h nach Südwesten gefahren bis zu unserem nächsten Zwischenziel Jackson, der Hauptstadt von Mississipi. In Jackson kamen wir bei unserem vorher rausgesuchten Motel an, dass übrigens halb so viel kostete wie das letzte, aber doppelt besser war. Dort wollten wir auch nur eine Nacht bleiben um unseren längeren Campingtrip vorzubereiten.

Devil´s Backbone

19.01.2020: Nashville – Abreise… oder nicht?

Das sollte es dann eigentlich gewesen sein mit Nashville, heute wollten wir abreisen und Richtung Mississippi/Texas unterwegs sein. Aber wir hatten vorher noch was reinbekommen. Ich glaube ich hatte vergessen zu erwähnen, dass die Lyft-Fahrerin, die uns gestern rein nach Nashville gefahren hatte, eine interessante Info für uns hatte. Im Rahmen der NFL-Playoffs wurde in Nashville ein Public-Viewing direkt auf dem Broadway für diesen Sonntag geplant.
Während ich laut nachdachte (vielleicht um Tina zu überreden): „Wann hat man schon mal die Chance, NFL-Playoffs beim Public-Viewing zu schauen“, „Wir haben ja eh keinen festen Zeitplan“, „Ich wollte sowieso mal ein Spiel in ner Kneipe mit ordentlich Fans schauen“… War Sie längst überzeugt. Manche Dinge fetzen halt.
Also haben wir ausgecheckt, in der Nähe der Innenstadt (Germantown um genau zu sein) geparkt und sind dann wieder zum Broadway. Tatsächlich waren die meisten Leute in den Farben der Tennessee Titans unterwegs und es füllte sich langsam im Bereich des Public Viewings. Man muss aber ehrlich zugestehen, mit ner deutschen Fußballstimmung ist das weder in der Größe noch in der Leidenschaft zu vergleichen. Es ist eben Sports-Entertainment. Lustig war’s trotzdem, und wir haben uns das Setup gerne angeschaut. Wegen der immer noch recht kühlen und zugigen Luft war uns aber schnell klar, dass wir lieber in einer Bar schauen würden. Die Entscheidung fiel schnell auf’s Benchmark. War gestern der beste Laden und ist jetzt unsere offizielle Stammkneipe in Nashville 😉 Vorher gab’s direkt nebenan noch nen Snack auf die Hand. Ne Pita, mal zur Abwechslung vom Ami-Food. (Tina: „Falafel wären jetzt super!“) War lecker und ne solide Grundlage für die nächsten 3.5h Football. Im Benchmark spielten schon wieder Musik und der „Barde“ hatte gestern schon aufgespielt. Allerdings haben wir da gerade den Laden verlassen. Zum Glück gab’s da jetzt die Chance das nachzuholen. Der Kerl war gut. Ein Entertainer in den Pausen und musikalisch auch klasse. In seine Country-Klassiker und Radio-Hits streute er immer mal wieder kreative Cover von ziemlich Country-ferne Musik ein. Mein Favorit: ein Backstreet-Boys Cover im Nashville-Style.
Wir hatten für Spiel und Musiker tolle Plätze und beides lief auch ne Weile parallel. Die Leute waren gespannt und fröhlich und es hat einfach Spaß gemacht in dem Umfeld zu schauen. Es fanden sich mit der Zeit immer mehr Leute von der Straße in der Kneipe ein – war halt doch frisch draußen – und so hatten wir bald ein älteres Pärchen aus Illinois mit an unserem Tisch. Über Drinks, Nachos und Football kamen wir zum Ende des Spiels (Tennessee hatte letztendlich wenig Chance gegen den deutlich stärkeren Gegner aus Kansas City) ins Gespräch. Die beiden kamen auch aus Florida vom Urlaub zurück und fanden unsere Pläne spannend und mutig. Die allgemeine Gesprächsoffenheit der Leute bisher ist wirklich angenehm. Bei der Verabschiedung schenkte mir der Kerl aus Illinois seine Tennessee-Titans-Mütze, er hatte Sie eh nur aus jucks gekauft und ist eigentlich Chicago Bears-Fan. Auf Bildern zukünftig seht Ihr mich also sicher immer mal öfter mit meiner neuen Wandermütze.
Der verlängerte Aufenthalt hatte sich wirklich von vorne bis hinten gelohnt, auch wenn wir den Titans für ihr Spiel kein Glück bringen konnten.
Wir haben uns dann aus Nashville verabschiedet und noch versucht so viele Meilen Richtung Südwesten zu schaffen wie vernünftig möglich war. Wir fuhren auf ner stockdusteren und einsamen Straße durch die Wälder und nahmen uns dann irgendwann ein schäbiges kleines Motel (und das auch nur weil die Temperaturvorhersagen Kälte angesagt hatten) in einem der Orte an der Strecke. Geschlafen haben wir lieber in den Schlafsäcken aber hey, kann nicht immer alles Sahne sein. Nashville war jedenfalls spitze.

18.01.2020: Nashville – Music City/Party City

Nashville besser als Atlanta - der Bicentennial Park zu Tennessees 200-jährigem gestiftet

Bild 1 von 13

Jetzt aber: Feiern in Nashville!

Nach ner erholsamen Nacht und einem kleinen Frühstück wurde kurz nochmal die Karte konsultiert und dann ging’s in die Innenstadt von Nashville. Mit nem Uber/Lyft natürlich, schließlich wollten wir ja feiern.
Wir ließen uns oberhalb des Tennessee-Bicentennial Parks absetzen. Die Anlage wurde zu 200-jährigen Jubiläum des Bundesstaates eingeweiht und wir finden: Das is mal ein Park. Verglichen mit dem Centennial Olympic Park in Atlanta um Welten besser. Ich fang mal „oben“ an. Wir kamen an einem runden Säulen-gesäumten Platz in den Park hinein. Während wir uns das anschauten wurde es 15 Uhr und es erklang ein Glockenspiel aus 50 Glockentürmen mit 95 Glocken (also nicht „nur“ Säulen). Die spielten 3 Lieder, den obligatorischen Tennessee Waltz, Love Me Tender (Elvis und Nashville is ja ne Geschichte für sich) und nen dritten Hit, der uns irgendwie bekannt vorkam – vielleicht erkennt ihr’s ja. Das alles kann man übrigens auch im Internet nachlesen, wenn man sich über das Glockenspiel informiert. Hier aber exklusive Infos, die aus unerfindlichen Gründen online nicht zu finden sind: der runde Platz wird außer den Säulen von Tafeln eingesäumt, auf denen die Namen verschiedener Musiker verewigt sind, die Ihre Wurzeln in Tennessee haben – Elvis natürlich in der Mitte. Weiterhin gibt es in der Mitte des Platzes einen kleinen Edelstahl-Punkt. Das ist ein Echo-Spot. Stellt man sich auf diesen Punkt, dann kann man mitten im Freien eine ganz lustige akustische Illusion erleben. Alles um einen herum klingt etwas gedämpft und man kann, nur für die eigenen Ohren, ein schönes Echo dessen hören, was man sagt oder trällert.
Vom Glockenspiel geht man einfach nach Süden Richtung State House und Broadway und es gibt soooo viele Infos zur Geschichte Tennessees zu lesen. Ein wirklich sehenswertes Freiluft-Museum. Am Ende des Parks gibt es ein riesiges in den Boden eingelassenes Relief von Tennessee, an dessen Fuß Stelen sind, auf denen man extra nochmal die Topographie, die Indianerstämme, die Flüsse etc. Tennessees einzeln gezeigt bekommt.
Um den kulturellen Teil abzuschließen sind wir noch einen Steilen Hügel rauf zum State House und von dort ging es bergab Richtung Broadway, der Feiermeile von Nashville.
Bevor wir uns aber ins Getümmel werfen wollten, waren wir kurz am Music Walk of Fame von Nashville – ein unterwältigendes Stück Pflaster von ca. 40 Metern mit ein paar eingelassenen Musikersternchen. Zum Glück werden wir in L.A. noch die Chance haben den richtigen Walk of Fame zu begutachten.
Der Broadway selbst is ne spannende Sache. Tatsächlich besteht der nur aus Honky-Tonks – also Musik Bars – und es dröhnen Songs aus jeder Tür und jedem Fenster. Vorherrschend selbstverständlich Country oder Classic Rock. Die Leute sind auch immer, auch gg 17 Uhr bereits, ordentlich am Feiern. Mich hat das ganze etwas an New Orleans erinnert, wobei dort Menschen und Musik etwas bunter gemischt waren. Wir haben ne kleine Kneipe gefunden, die uns gut zugesagt hat und sind dort rein für unsere ersten Beers in Nashville. Das „Benchmark“ war eher gemütlich im Vergleich zu einigen der größeren Schuppen, Sitzplätze gab’s auch noch, das Beer für 3$ und die zwei Country-Boys spielten ne gute Musik. Also ein klasse Startpunkt für unsere kleine Kneipentour. Nach zwei oder drei Beer sind wir dann auf die Suche nach Futter. Tina hatte sich angelesen, dass man in Nashville „Hot Chicken“ isst. Letztendlich ne lokale Art Hühnchen zu frittieren. Wir fanden ein Lokal, dass nicht zu voll war und haben dort ein klasse Hühnchen bekommen (ja, ein Beer gab’s evtl. auch).
Nächster Stopp, Tootsies. In der ersten Kneipe hatte uns ein älterer und leicht betrunkener Herr angequatscht und neben seinen suffigen Plattitüden hatte er den Tipp, wie man ohne Stress und anstehen in diese Institution von Nashville reinkommen könne. Einfach von der Haupt- in eine Nebenstraße und dann wie ein Stammgast über den unfrequentierten Hintereingang. Klappte auch für uns prima. Der Schuppen war allerdings zu voll für unseren Geschmack. Also nur ein paar Bilder geknipst und wieder rausgeschlichen. Der Hintereingang-Trick funktionierte aber auch bei der nächsten Bar, dem Layla’s. Der Laden war dekoriert mit hunderten Nummernschildern, die Band war sehr unterhaltsam und das Bier schnell bestellt. Für uns daher definitiv auch ne gute Adresse. Für’s letzte Beer sind wir dann fast bis zum Ende vom Strip, nachdem wir noch in den ein oder anderen Schuppen reingeschnuppert hatten. Die Kneipe hatte 3 Etagen mit Dachterasse und bei der Band im Obergeschoss ging’s entspannter zu, so dass das unser letztes Wasserloch wurde.
Die Heimreise musste dann Touri-kreativ organisiert werden. Wir haben einfach ein Lokal gesucht, dessen WiFi bis vor den Laden reichte um so Internet und die Möglichkeit ein Uber/Lyft zu bestellen zu haben. Funktionierte prima vorm Hooters und fix und sicher kamen wir zuhause an.

17.01.2020: Nashville – The Hermitage/Grimeys/Parnassus

Einfahrt zu Andrew Jacksons Home

Bild 1 von 7

Der erste Tag in Nashville, der aktuellen In-Stadt des Südens was feiern und insbesondere Jungesell*innen-Abschiede angeht. Was war also unser Plan? Richtig, ein Museum!
Unser Apartment-Hotel war in einem Teil/einer Vorstadt Nashvilles, die „Hermitage“ hieß. Da Tina langsam Hunger auf kulturelle Bereicherung bekommen hatte, zeigte eine kurze Google-Recherche, dass das rein zufällig die gewählte Heimat des 7. Präsidenten der USA, Mr. Andrew „Old Hickory“ Jackson war. Für uns und die meisten anderen hier war das erstmal nur der Dude vom 20$-Schein.
Aber seine alte Plantage war museal aufbereitet und direkt um die Ecke. Also haben wir uns auf gemacht. Wie zu erwarten, war vor Ort nicht viel los, so in der Woche und im Januar. Aber das Museum war schön gestaltet, optisch ansprechend, multimedial ausgestattet, aber nicht überfrachtet. Um nicht direkt in den „Information-Overload“ zu geraten, konnte man den Besuch des Museums an beliebigen Stellen für Spaziergänge auf dem Freigelände der alten Plantage unterbrechen. Das machten wir und gingen direkt zur alten Jackson-Villa. Dort führte man uns 30 Minuten mit gut präsentierten Infos durch das ziemlich historisch akkurat erhaltene Anwesen. Positiver Nebeneffekt: wir waren raus aus dem doch eher winterlichen Wetter. Nach der Führung war es uns dann wieder freigestellt das Gelände selbstständig weiter zu erkunden. Es gab immer wieder Info-Tafeln und noch zu besichtigende Spuren, teilweise ganze Barracken. Wir hatten es ein wenig erwartet und es bewahrheitete sich dann auch, dass die eher kritische Reflektion der Geschichte (Jackson war mit bis zu 150 Sklaven zeitweise der größte Sklavenhalter in Tennessee) mit größerer räumlicher Distanz zu Villa und Museum zunehmen würde. Es überrascht vielleicht nicht zu hören, dass der Süden noch immer nicht engagiert genug die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen problematischen Geschichte betreibt. Wir waren dann auch die einzigen, die den 30-Minütigen Pfad zu den weiter abgelegenen Slave-Quarters beschritten. Dort waren die Info-Tafeln dazu dann aber sehr gut und ließen nichts aus. Man muss aber eben erstmal den Aufwand betreiben sie zu finden. Runtergekühlt durch die kleine Wanderung sind wir wieder ins Museum um dort den zweiten Teil der Geschichte von Jackson präsentiert zu bekommen. Seine Wahl wurde mit modernen Begebenheiten (Wahl von George W. Bush, Obama) gegenübergestellt, um ne gewisse Aktualität zu vermitteln. Das war dann schon gut inszeniert. Im Fazit ein schönes Museum, das etwas weniger Heldenkult und etwas mehr kritische Betrachtung vertragen könnte.
Im Gift Shop gab’s dann noch die Gelegenheit für ein kleines Andenken. Man verkaufte die Handwerkskunst lokaler Schmuckdesigner mit einem 75%igen Rabatt. Ich hab Tina direkt auf einen Ring aufmerksam gemacht, der uns beiden gut gefiel. Für den super-reduzierten Preis dachten wir uns „kann man mal mitnehmen“. Die alten Ladies an der Kasse rundeten das ganze dann noch mit ner charmanten Portion technischer Ahnungslosigkeit an der Kasse ab, so dass der Ring letztendlich sogar nur 75% des schon reduzierten Preises kostete. Für knapp fünf Dollar war das gute Stück dann unser. Für uns schnäppchenbegeisterte Andenkenjäger war das definitiv ein schöner Abschied vom Museum.
Vielleicht auch wegen des Schnäppchens kamen wir ein bisschen in Shoppinglaune und deshalb war unser nächster Stopp der ikonische Record-Store (ein richtiger Vinyl-Plattenladen) „Grimeys„. Was eine Freude sich da durch die Auslage zu wühlen. Natürlich können wir nicht mit 5 LP’s im Gepäck durch die Staaten eiern aber man wird ja nochmal schauen dürfen 😉
Tina hat sich direkt noch nen gratis Kaffee gegönnt, während ich verdrängt habe, dass ich nicht einfach Platten im wert von 200$ in Nashville kaufen kann.
Von einem echt freundlichen Mitarbeiter bekamen wir dann noch ne Empfehlung für nen sehr guten Buchhandel, wo wir dann auch hingefahren sind. Auch der Shop wurde seinem Ruf gerecht und ich hab jetzt auch endlich mein erstes Buch für die langen Abende.
Dann ging’s zurück zum Apartment, ein bisschen Haushalt und fertsch.

14.-16.01.2020: Camp in den Wolken

Tag 1 – Misty Mountains

Guten Morgen in einer Wolke.

Bild 1 von 11

Nachdem das sanfte Getröpfel auf der Zeltplane unsere Nacht untermalt hatte, sind wir mitten in der zugehörigen Wolke aufgewacht. Der Blick aus dem Auto ging kaum 40 Meter weit, so neblig war es. Das Frühstück gab’s also im Bett 😉
Wir haben uns dann erstmal organisiert und ein paar Eindrücke vom Zeltplatz bei „Tageslicht“ gesammelt. Bei der Waschküche um uns rum war das allerdings nicht so einfach. Was wir aber relativ fix feststellen konnten, war der Grund, warum unsere Stellfläche auf der kleinen Karte am Eingang als „by the Boulders“ (also an den Felsen) bezeichnet wurde. 30 Meter von uns entfernt brach eine lange Felskante ins Tal und dort waren die Felsen in interessanten Formationen übereinander getürmt. Also noch schnell Mittag gegessen und dann die Stiefel fest geschnürt für nen sicheren Tritt. Ein Einstieg in das Felsenlabyrinth war schnell gefunden und die nächsten 2 Stunden sind wir begeistert zwischen/über und auf den Felsen herumgekraxelt. Überall rannte das Wasser aus dem Stein und es gab einfach viel zu sehen – ein wirklich spannender Abenteuerspielplatz.
Auf unserem Weg aus den Felsen heraus sind wir dann noch so weit hoch wie möglich gestiegen und wurden auf der Felsspitze tatsächlich mit aufreißenden Wolken und unserem ersten klaren Blick auf’s Tal belohnt.
An ein erneutes Lagerfeuer war nach der Luftfeuchtigkeit den ganzen Tag nicht zu denken, also hab ich mal die Dusche vor Ort ausprobiert und der gute Eindruck vom Camp setzte sich da fort. Abendbrot war damit auch verdient und mit der aufziehenden Dunkelheit samt der obligatorischen Nebelwolke zogen wir uns langsam in unser bescheidenes Heim zurück.

Tag 2 – kleine Wandertour

Unsere Höhle - funktioniert prima.

Bild 1 von 11

Auch an diesem Morgen begrüßte uns eine dicke Wolkenschicht im Camp. Doch am Tag zuvor haben wir bemerkt, dass sie dünner wird, wenn man sich etwas weiter bergab bewegt. Also stand dem Plan, eine kleine Wandertour zu machen nichts im Weg. Wir mussten trotzdem erst auf den Nachmittag warten. Eher hätte es sich nicht gelohnt. Wir machten erstmal die einfachen Dinge, wie frühstücken, kleine Morgendehnung und Auto aufräumen (so bekommt ihr mal eine Idee, wie unser kleines Zuhause aussieht). Überraschenderweise kam uns im Hinterland von Alabama ein sogenannter „Tonner“ (Bundi-Jargon) ins Camp gefahren, der Paul gleich aufgefallen ist. Als dieser bei uns vorbeifuhr, erkannten wir ein deutsches Nummernschild. Paul hat sich die neuen Nachbarn mal näher angesehen und einen kleinen Schwatz gehalten. Es hat sich herausgestellt, dass es sich um ein Rentnerpärchen aus Heilbronn handelt, die im Mai 2019 ihre Reise in Alaska starteten…Die Deutschen sind eben überall ;-)… Außerdem waren die Campangestellten mal nicht irgendwo auf dem Gelände unterwegs, sondern am kleinen Empfang/Shop anzutreffen. Nach Tagen, an denen wir nur Wasser und Tee als Getränke zur Verfügung hatten, hatte ich mal richtig Bock auf nen Kaffee und Paul auf ne Cola. CocaCola gab es nicht, RC Cola war der Ersatz. Kaffee hatten sie nicht im Verkauf, aber sie war so lieb, mir einen aufzubrühen for free :-D. Zum Glück mag ich dünnen Kaffee sehr sehr gern. Also war ich glücklich. Während wir auf den Kaffee warteten, ergab sich ein nettes Gespräch mit einer Empfehlung eines Wanderpfades. Der war zwar zu lang, aber ein Anfang. Und weil alles so nett war, haben wir uns gleich noch einen Sticker als Andenken mitgenommen.
Nach dem Mittag machten wir uns auf den Weg ohne richtiges Ziel. Es war so gegen 13 Uhr. Wir wussten nur, dass wir gegen 16 Uhr wieder zurück sein mussten um noch genug Zeit zu haben, das Feuer für den Abend anzubekommen. Schließlich war das ganze rumliegende Holz nicht wirklich trocken. Also gingen wir erstmal los und wussten, dass wir zur Not nach 1,5h einfach wieder rumdrehen müssen. Es war warm, entspannend und lief nicht ganz ohne Hindernisse ab. Die Wege waren nicht gut zu erkennen und die Wegweiser nicht einfach zu entdecken. Wir folgten dem auffälligsten der Wege und waren gespannt, wo er uns hinführt. Eine Zeit lang begleiteten uns Fußspuren von einem (bzw. 2) hundeähnlichen Tier(-en) – Coyoten? Und kleine Naturschönheiten waren auch zu entdecken. Nach der Halbzeit kamen wir an einem einsam stehenden Haus an. Da wir nicht genau wussten, wo wir waren und uns nicht entscheiden konnten, welche Richtung der Straße wir gehen müssten, sind wir wieder umgedreht. Das letzte Stück haben wir dann etwas abgekürzt, weil wir einen Wegweiser entdeckt hatten, an den wir uns noch erinnern konnten. Es war nicht der einfachste Weg mit all den Stachelsträuchern, umgefallenen Bäumen und rutschigen Steinen entlang einem ausgetrockneten Bergbach. Aber es war der Interessantere. Pünktlich kurz vor 4 waren wir nach 9 km wieder im Camp angekommen. Da wir nur noch 1h Zeit hatten, bevor es dunkel wurde, kümmerten wir uns sofort ums Feuer. Mit der Hilfe von jeder Menge zur Verfügung stehendem Klopapier und einigem trockenen, gekauften Holz haben wir es mit viel Pusten hinbekommen. Das Licht für den Abend war somit auch gesichert.

Tag 3 – Nächster Halt, Nashville

Morning has broken

Bild 1 von 6

Unser Plan an diesem Tag war klar: fix packen und dann ab nach Music City – Nashville, Tennessee. Aber Cherokee Rock Village hatte noch einen wunderschönen Abschiedsgruß für uns. Schon im Auto kitzelte uns die Morgensonne wach und der Anblick der Gegend bei strahlend blauem Himmel war einfach so ziemlich alles, was wir uns erhofft hatten. Unser momentanes Banner oben vermittelt hoffentlich einen ganz kleinen Eindruck (ist das Banner kein tolles Bergblick-Panorama, dann lest Ihr leider zu spät und wir haben schon wieder geändert 😉 ) Wir haben also erstmals den komplett freien Blick rundum und ins Tal aufgesogen, bevor wir uns in die Sonne zum Frühstück gesetzt haben. Danach noch etwas, was Tina schon lange gewollt (und wegen Ihres Muskelkaters vom Wandern am Vortag auch gebraucht) hatte: Yoga in der Natur bei schönem Wetter. Ich hab meinen kleinen Frühsport auch eingestreut, aber Tina sieht da etwas vorzeigbarer aus.
Mit einiger Verspätung, für die wir aber mehr als dankbar waren, ging es dann endlich los. Direkt bei der Abfahrt erkannten wir ein bisschen die Straße entlang das Haus am Ende unseres Wanderpfades vom Vortag wieder. Wir waren nur noch ca. 200m entfernt vom Camp, als wir uns zum 5km-Rückweg entschlossen… Was man nicht im Kopf hat… Der Weg führte uns Herunter von den Bergen/Hügeln Alabamas in das Tal des Tennessee Rivers und hinüber in den nächsten Bundesstaat nach Nashville. Die Fahrt war entspannt und angekommen gg. 15 Uhr musste erstmal unser langsam aufgebautes Bedürfnis für Pizza befriedigt werden. Danach entspannender Check-In in unser billiges Flughafen-Motel, das leider auch nur mäßiges Wifi hatte. Das könnte zukünftig übrigens ein wiederkehrendes Thema werden. Sorgt oder wundert euch also nicht, wenn wir mal wieder mit unseren Berichten (so wie jetzt gerade) etwas hinterher sind. Solange wir nichts anderes Mitteilen sind wir alive and well und kommen nur gerade nicht zum Uploaden.

13.01.2020: Sweet Home Alabama

Dashcam andersrum

Bild 1 von 7

Nachdem wir alles verladen hatten, ging es für uns auf zum ersten erwählten Campingplatz – wir hatten am Abend zuvor sicherheitshalber drei Plätze herausgesucht. So hätten wir die Möglichkeit bei saisonaler Schließung oder völliger Auslastung einfach ohne große Planung den nächsten auf der Liste anzufahren.
Der erste Platz war das Cherokee Rock Village bei Leesburg, Alabama. Die Fahrt dorthin aus Atlanta war nicht allzu weit und erst, als wir fast am Ziel waren, fiel uns etwas auf: Das Navi kannte die von uns gewünschte Adresse gar nicht und schickte uns nicht bis zum Campingplatz. Gerade als uns das auf einer kleinen County Road im Fast-Nirgendwo Alabamas auffiel, gab’s ne lustige Verkettung letztendlich hilfreicher Umstände. Wir fuhren leicht verwirrt in Schrittgeschwindigkeit an einem Grundstück an der verlassenen Straße entlang und in der Einfahrt stand ein Hund. Was macht der konzentrierte Fahrer? Na dem Hund winken! Zurückgewunken wurde auch – aber vom Herrchen im Auto daneben. Der Herr war uns vorher nicht aufgefallen, aber er war nun losgefahren und suchte offensichtlich das Gespräch mit uns um zu erfahren, warum wir ihm gewunken hatten. Das irgendein deutscher Trollo aus dumdudeldei seinem Bello winken würde, war sicher nicht zu denken. Als ich den Herrn im Rückspiegel bemerkte, hielt ich an, ließ das Fenster herunter und erläuterte mein – völlig normales – Verhalten. Ein bisschen Gelächter später erklärten wir unsere leichte Verirrung und der Mann bot sich direkt an uns zum nächsten Highway zu geleiten und erläuterte uns auch den Weg zum Campingplatz. Wieder diese Southern Hospitality.
Das Cherokee Rock Village fanden wir dann relativ bald nach der netten Begegnung. Ein bisschen suchen mussten wir aber trotz der Wegbeschreibung – so ein kleines Camp ist eben kein Hotspot für Touris.
Am Camp angekommen, war erstmal niemand vor Ort und wir hinterließen einfach unsere Bezahlung am Einlass und suchten uns auf der kleinen aber feinen Anlage auf dem Bergrücken einen schönen Stellplatz neben ner Lagerfeuerstelle. Wir haben uns eingerichtet und mit unserer Campingküche ziemlich ordentliche Nudeln mit Tomatensoße gekocht. Mit dem Sonnenuntergang hüllte eine Wolke den Berg ein, was für echt tolles Licht und Sichten sorgte aber auch die Feuchtigkeit deutlich erhöhte. Unser erstes Lagerfeuer bekamen wir trotzdem an und nachdem wir das ausgiebig genossen hatten und ordentlich geräuchert waren, krabbelten wir in unsere Höhle. Eingeschlafen sind wir dann zu einer meiner Lieblingsmelodien: Regengetröpfel auf ner Zeltplane…

12.01.2020: Atlanta – Alles kam anders

Im hippen Smoothie-Schuppen

Bild 1 von 9

Mit der Zusage einer weiteren Nacht in unserem AirBnB haben wir auch gleich noch einige Empfehlungen bekommen. Somit gab es Smoothies zum Frühstück vom zu Fuß erreichbaren Blendz Café. Da die Sonne so früh am Morgen schon angenehm war, sind wir glücklich mit unseren Smoothies noch ein wenig spazieren gegangen. Aber die Leute im Café hatten Recht. Es gibt nichts Aufregendes zu sehen im Viertel. Also haben wir uns mehr auf die Sonne konzentriert :)…Fertig gefrühstückt, haben wir den Centennial Olympic Park in Downtown angeschaut. Es handelt sich dabei um eine große Rasenfläche mit schön angelegten Brunnenanlagen und auch ein paar schattigen Sitzplätze unter wenigen Bäumen. Drumherum findet man die World of CocaCola, die College Football Hall of Fame oder auch das Georgia Aquarium. Touristisch also gut angelegt. Nachdem wir aber ein wenig durch Atlanta gefahren sind, um zum History Museum zu kommen, müssen wir sagen, dass man sich doch etwas mehr Mühe bei der Parkanlage hätte geben können. Bei der kleinen Stadttour haben wir tolle Grünanlagen gesehen mit vielen großen Bäumen, kleinen Bachläufen und breiten, nicht betonierten Fußwegen. Echt wunderschön… Ach ja…Das Museum war doch nicht, wie gedacht, kostenlos. Aber für Eintritt war es nicht interessant genug. Somit fiel der Museumsbesuch aus und als Alternative stand ein Buchladen auf dem Plan, den Paul vorher rausgesucht hatte. Es war ein niedlicher Laden, der uns schon mit Räucherstäbchenduft empfing. Ziemlich schnell wurde klar, dass das weniger ein Buch- als ein Esoterikladen ist. Die verkauften echt schöne Steine und Traumfänger und auch einige Bücher über Selbstfindung und Meditation. Aber Paul sucht eher ein Buch in der Richtung Wissenschaft. Somit waren wir hier auch falsch. Ich habe mir aber ein kleines Andenken mitgenommen :-)… Dann kam der Hunger. Obwohl es eigentlich Zeit wurde für die erste Pizza und auch geplant war zu nem Pizzaladen zu fahren, ist uns ein PandaExpress in die Augen gesprungen. Also keine Pizza, sondern Asiaimbiss…Super leckere Planänderung…Das war dann auch der Tag in Atlanta. Wir mussten nur noch unser folgendes Campingabenteuer vorbereiten, was immer ein bisschen Planungsaufwand bedeutet. Ich bin währenddessen einfach eingeschlafen und Paul hat es zu Ende gebracht.

11.01.2020: Atlanta Orga-Tag

und so lässt man sich von einem Orga-Tag überzeugen

Am Abend zuvor wurde schon klar, dass wir den kompletten nächsten Tag für Orga-Sachen brauchen werden. Zum Glück war das Wetter perfekt dafür…Gaaaanz viel Regen ;)… Also sind wir es ganz ruhig angegangen und haben uns um alle ToDos gekümmert, die auf uns warteten. Wir haben eine weitere Nacht mit unseren AirBnB-Gastgebern vereinbaren können, waren einkaufen, haben unsere nächsten Ziele recherchiert, für einen Campingplatz entschieden (und 2 Ausweichmöglichkeiten notiert), Motel gebucht und unser Auto gewechselt (siehe Exkurs). Zur Belohnung gab es das legendäre Chicken-Sandwich von Popeyes, was eigentlich kein Sandwich sondern ein Burger ist. Wir beide stimmen dem Hype zu. Es ist mega.

Exkurs:Mietwagen/Sprit

Mal ein bisschen was ausser der Reihe – Mietautos und Sprit in den Staaten.

Wie wir uns für clever hielten, weil wir den größtmöglichen „kleinen“ SUV in Miami abgegriffen haben, wurde ja an anderer Stelle erwähnt. Was bei einer Miete, die so lang in Zeit und Strecke wie unsere ist, aber besonders ist, sind die „normalen“ Dinge. Wartungszeiträume zum Beispiel. Bei der Abfahrt von Savannah nach Charlotte begrüßte uns auf dem Display eine kleine Service-Leuchte mit der Info: „Service in 500 Miles“. Nun sind 500 Meilen in der Regel ne Menge, bei unserem Fahrplan allerdings gar nicht viel. Am Flughafen in Charlotte haben wir uns dann die Info abgeholt es ginge dabei nur um einen Ölwechsel und wenn wir nicht vorhätten noch tausende Meilen zu fahren, könne man das auch ignorieren. Mhm, aber das is doch genau unser Plan! Also war die Alternative nur das Auto (natürlich kostenfrei) zu wechseln.
Mit dem „Puffer“ von 1000 es-ist-halb-so-wild-Meilen im Rücken haben wir uns dann gemeinsam mit unseren Freunden in Charlotte Gedanken zum Auto-Wechsel gemacht. Der Tipp von Nick und Ellen: Wechselt in Atlanta. Das ist im Deep South Amerikas und dort sind halt die Autos einfach größer – vielleicht is da der Midsize SUV noch größer als unser Hunday.
In ATL haben wir wegen des wirklich großen Flughafens auch eine üppige Mietwagen-Flotte erwartet.
Das Gefühl vorm Wechsel war trotzdem suboptimal. Das erste Camping hatte doch geradeso gut funktioniert…
Naja, der Orga-Tag in Atlanta führte also erstmal zum erwähnten Flughafen. Dort wurde uns fix das alte Auto abgenommen und wir durften neu wählen. Und jupp, größere Autos 🙂 Unser neuer: ein 2019 Chevrolet Equinox. Hinten drin ein bisschen länger und ein gutes Stück höher. Dadurch war das Camping später (der Post kommt noch) noch angenehmer. Und der Neue hatte erst 8000 Meilen runter. Ein Bestand, den wir höchstwahrscheinlich verdoppeln werden. Mit unserem neuen Ride – meinem ersten Chevy übrigens – ging’s dann wieder los. Also bis zur Schranke. Da gab’s dann Probleme. Der fixe Angestellte, der den Hunday zurückgenommen hatte, hatte gleich mal unseren Vertrag geschlossen. Damit war kein Weiterfahren möglich. Nach einem Hinweis der Dame am Schalter folgte ein kurzer Spießrutenlauf von Pontius zu Pilatus auf dem Mietwagendeck um schlussendlich zu Cindy geschickt zu werden. Cindy löst bei Alamo in Atlanta die großen Probleme und nach einer kurzen Wartezeit – man löste parallel noch ne andere haarige Situation – nahm sich Cindy unserer an und entließ uns zurück auf die Straße.
Wir hoffen, der Chevy bleibt jetzt unser Auto bis zum Ende in Chicago. Letztendlich wissen wir jetzt aber, dass es jederzeit sein kann, dass wir nochmal wechseln müssen.

Zum Sprit

Ja, der ist hier sooo viel billiger als in Deutschland. Weil wir aber gründlich sozialisiert sind, achten wir trotzdem auf die Preise und da gibt’s schon was zu lernen. Die Spritpreise sind hier weit heftiger unterschiedlich, als wir das gewöhnt sind. Die Preise unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter aber auch von Stadtzentren (teurer) zu Autobahntanken (billiger). Was für Differenzen das sind: am krassesten bisher waren zwei Tankstellen keine 2 Minuten voneinander entfernt mit 2,69$/Gallone (3,8l) oder 2,25$/Gallone. Da überlegt man schon, wo man tankt. Wir haben uns momentan in Pilot verliebt und versuchen immer möglichst weit außerhalb der Großstädte zu tanken. So haben wir auch den bisher besten Deal geschossen: 2,17$/Gallone. Allerdings waren da 3 Cent Freundlichkeits-Discount dabei. Nach einem kurzen Schwatz zum Wie-gehts-Was-führt-Euch-in-die-Gegend beschloss die Verkäuferin einfach: I’m gonna give you guys a 3 cent discount. Das is dann die berühmte Gastfreundlichkeit der Südstaaten – Southern Hospitality.

10.01.2020: Asheville und Atlanta

Auf dem Weg nach Asheville: Steampunk-Cruiser

Bild 1 von 7

Um den Kulturschock nach der Outdoor-Erfahrung abzumildern fuhren wir nicht direkt zu unserem nächsten Ziel- Atlanta. Nick und Ellen (Charlotte) hatten uns vor unserer Reise noch Asheville, North Carolina, ans Herz gelegt und das wurde dann auch unser Zwischenstopp.
Asheville ist eine kleinere Stadt, mit vielen Cafés, Boutiquen und kleinen Läden. Zu Fuß wunderbar zu erschließen und irgendwie mit einem „Künstler-Charme“. Wir haben dort ein wenig Zeit in einem Buchladen vertrödelt, aber nicht umsonst. Ich konnte mich nicht entscheiden und ging mit leeren Händen, Tina war um eine Paperback-Ausgabe von Neil Gaimans American Gods reicher. Die’s kennen werden wissen, man kann es schlechter Treffen.
Danach noch ein wenig Geschlender und dann mussten wir langsam los, weil noch ein ordentliches Stück bis zu unserem AirBnB in Atlanta vor uns lag. Die Fahrt verlief soweit gut, bis wir in Atlanta auf einer 6-spurig verstopften Interstate ankamen. Jupp die Stadt ist wirklich etwas größer und pünktlich zum Feierabendverkehr is sicherlich die schlechteste Zeit anzureisen. Naja, so konnten wir schonmal die beleuchtete Skyline bewundern und was ändern konnten wir nun ja eh nicht mehr. Da unser AirBnB mit Codeschloss an der Tür einen Check-In ohne Behelligung der Gastgeberinnen ermöglichte, war das auch kein größeres Problem. Das Haus und Zimmer waren wie beschrieben und sauber und damit waren wir angekommen in ATL.

09.-10.01.2020: Wilsons Creek Gorge, Pisgah National Forest, North Carolina

In der Box sind auf keinen Fall weitere Donuts

Bild 1 von 11

Unser letzter Morgen in Charlotte wurde uns von Nick sozusagen „landestypisch“ versüßt. Was Ellen am Abend zuvor noch für nen Scherz in Bierlaune gehalten hatte, wurde mit einer Fahrt zur nächsten Krispy Kreme Donuts-Filiale in die Tat umgesetzt. Und so erwartete uns kurz nach dem Aufwachen eine große Box Donuts zum Frühstück. Und ja, die sind ach so süß und fettig und ungesund. Aber sie sind eben auch seeeehr lecker (besonders nach exakt 8 Sekunden in der Mikrowelle).
So gestärkt hatten wir dann die Kraft Abschied zu nehmen, ohne dass wir den beiden für ihre tolle Gastgeberei mit mehr als einer Umarmung hätten danken können.
Wir mussten dann erstmal zu Walmart noch die restlichen Camping-Utensilien besorgen und waren dann wirklich auf dem Weg gen Norden.Grobe Richtung: Lenoir, North Carolina. Genauer: Pisgah National Forest. So fuhren wir dann ne Weile und mit voranschreitender Annäherung an das, was wir zum Ziel erkoren hatten, wurde uns klar, dass wir eigentlich keine Ahnung hatten, wo und wie man denn nun in so nen National Forest reinkommt. Natürlich hatten wir im Hinterland von North Carolina in den Ausläufern der Apalachen 0 Empfang um irgendwas nachschauen zu können. Also an der nächsten Tanke raus und der netten Lady an der Kasse unser Leid geklagt.Ihre trockene Antwort: „Ihr habt keinen Empfang?! Well, nobody does.“ Also da kommt Empfang höchstens aus der Dose. Auf die Nachfrage nach Camping-Plätzen hieß es eigentlich sei alles für die Saison geschlossen. Doch etwas entmutigt entschlossen wir uns den Hinweisen zum Trotz zu versuchen irgendwo was zum Campen zu finden. Etwas weiter die Straße herunter dann tatsächlich ein Schild zum National Forest. Mit Mühe und Not kamen wir knapp vor 17 Uhr am Visitor Center an. Das war wichtig, weil die um die Zeit nämlich dicht machen – also würden sie, wenn Saison wäre. So fanden wir die verschlossene Hütte und nen plätschernden Bach vor. Da nun aber echt keine Zeit mehr war weiter zu fahren, entschlossen wir uns einfach vor Ort (also eigentlich direkt hinterm Schild des Visitor Centers) unser Lager zu errichten. Was ja nur parken, Sitze umklappen und ein wenig umräumen bedeutete. Das Camping-Abendbrot war schnell gemacht und trotzdem lecker und auch die erste Nacht im Auto schliefen wir beide gut – ach ja, kostenlos war’s so natürlich auch.
Der nächste Morgen – insert classical overture
Eine sehr ruhige Nacht endete erholsam, als das Auto langsam vom Morgenlicht beleuchtet wurde. Zähne geputzt und einen Spritzer kaltes Wasser aus dem nahe gelegenen Bach und dann wollten wir die Gegend in der wir geschlafen hatten bei Licht und mit Zeit ein wenig erkunden. Der Teil des Pisgah National Forest, in dem wir uns befanden hieß Wilsons Creek Gorge. Den namensgebenden Bach hatten wir die ganze Zeit an unserer Seite und er schlängelte sich mal steiler und mal flacher, aber stets höchst fotogen durch die Schlucht. auf einem der Felsen im Bach hatte Tina dann ihr Frühstück und ich war glücklich die ganze Zeit rumkraxeln und -klettern zu können.
Für uns war das nach holprigem Start ein tolles erstes Camping und wir haben definitiv Lust auf mehr bekommen.

06.-09.01.2020: Charlotte

Eine kleine Info vorab: Da wir insgesamt 4 Nächte in Charlotte waren, wird das hier ein Sammelpost. Hausaufgaben ok, „Krieg und Frieden“-Ausmaße muss das aber nicht annehmen.

Tag 1 in Charlotte

Good Morning

Bild 1 von 12

Was Nick und Ellen, unsere wunderbaren Gastgeber, uns als vorübergehendes Zuhause anbieten konnten war fantastisch. Ein AirBnB kann noch so gut sein, aber bei Freunden ist man eben auch unterwegs mal kurz zuhause. Wir haben die Tage in Charlotte im Fenster-Erker des morgensonnigen Wohnzimmers auf ner Queensize LuMa geschlafen. Ohne wegen des Wetters mehr anzugeben, als es die Bilder ohnehin tun, aber wir haben praktisch jeden Tag damit begonnen die Rollos aufzuziehen und uns im Bett von den Sonnenstrahlen in der Nase kitzeln zu lassen. Den ersten Morgen haben wir ruhig angehen lassen: ordentliches Frühstück, ein bisschen Blog-Hausaufgaben, Beauty-Routine usw. Zum Lunch hat uns Nick dann direkt ermöglicht, ein must-have von unserer Liste zu streichen. Direkt um die Ecke vom Appartment befindet sich das vollverchromte Midnight-Diner. Ein Laden so real-american, dass es fast kitschig ist. Das Essen war auch klasse und sehr preiswert und gab uns die nötige Energie um das nahe Downtown von Charlotte zu Fuß zu erkunden. Innerhalb unserer dreistündigen Tour konnten wir das NFL-Stadion der Carolina Panthers, das Basketball-Stadion der Charlotte Hornets sowie das geschäftige Bankenviertel (Zentrale der Bank of America, außerdem Wells Fargo etc.) bewundern.
Auf dem Weg zurück haben wir dann noch ein bisschen Beer besorgt um nicht ganz mit leeren Händen zum Home-Cooking zu kommen. Nick und Ellen haben sich extra für uns den Aufwand gemacht (beide arbeiten wirklich viel) ihr Lieblingsessen zu kochen: Spaghetti with Meatballs and Zucchini-Chips. Der Prozess alleine war schon super-lustig aber das Ergebnis war fantastisch. Uns beiden hatte Pasta seit dem Abflug doch mächtig gefehlt. Sie dann noch so lecker zu bekommen machte es doppelt gut. Halb im Fress-Koma empfing uns dann die Couch für noch ein zwei Drinks mehr und absolutes Ablästern über Folge 1 der neuen Staffel The Bachelor (US). Ein Quatsch! Aber in der Besetzung (auf der Couch wohlgemerkt) einfach unendlich witzig.

Tag 2 in Chapel Hill

Suttons - Apotheke und Imbiß

Bild 1 von 10

Auf meiner Bucket-List stand tatsächlich mal den Campus eines amerikanischen Colleges zu sehen. Unsere Freunde haben uns ihr College empfohlen. Also haben wir einen Tagesausflug zur University of North Carolina nach Chapell Hill gemacht. Die Fahrt dauerte 2,5h. Aber es hat sich gelohnt. Das Städtchen an sich war schon super niedlich. Als wir dem Campusgelände näher kamen, erhöhte sich auch die Café-Restaurant-Bar-Dichte in den Straßen. Alles kleine gemütliche Läden und davon viele. Irgendwie wollen sich ja auch die 30.000 Studenten die Zeit vertreiben. Es war Mittag. Also statten wir dem wohl ältesten Laden, einer Pharmacy mit einem Diner, einen Besuch ab. Wie von Nick angekünidgt, waren die Hotdogs extrem lecker. Für Unterhaltung war auch gesorgt. Am Nachbartisch hatte ein Student ein Interview mit seinem wohlmöglichen Mentor. Aber nachdem er mitteilte, dass er bereits ein Praktikum bei Jordans Brand in Chicago hat, war noch lange kein Ende des Gespräches in Sicht. Für uns war das aber genug. Gut gesättigt wollten wir nun das Unigelände auschecken. Kurz vorm Eingang befanden sich die Frat-Häuser – die Burschenschaften der amerikanischen Unis sind ja berühmt und berüchtigt. Die Anzeichen der letzten Parties waren noch zu entdecken und die nächsten wurden vorbereitet. Dann machten wir uns einen ausführlichen Eindruck vom Unileben. Das Semester hat bereits begonnen. Also konnten wir Studenten beobachten, die zur nächsten Vorlesung hetzten oder aber sich für den Abend vorbereiteten. The Old Well ist ein wichtiger Marker, da diese wohl auf dem Siegel der Abschlusszeugnisse zu finden ist. Sie war so offensichtlich, dass wir erstmal daran vorbeigelaufen sind… uuups. Nach einem Blick auf die Karte haben wir doch noch einige Schnappschüsse machen können. Paul meinte, dass das Wasser besser als Leitungswasser schmeckt. Danach gingen wir noch über den alten Campus mit der dazugehörigen wunderschönen Bibliothek (Wilson Library). Auch den Sportpark (Football Stadium, Dean Dome (Hier hat Michael Jordan College Basketball gespielt!!!), Schwimmhalle usw.) und die äußeren Bereiche mit den Dorm-Häusern haben wir begutachtet. Es ist mega, wie nah beieinander alles ist. Die Lehrräume, Labs und Vorlesungssäle sehen super aus. Und wenn man dann noch beim Rausgehen aus dem Hinterausgang des Media&Journalism-Hauses die ganzen Grammies, Emmies und sogar einen Pulitzer sieht, ist man schon etwas beeindruckt…Pünktlich zum Abendbrot waren wir wieder zurück. So konnten wir zusammen essen, schwatzen und in aller Ruhe den Tag gemeinsam ausklingen lassen. Wir ließen uns dabei ohne jeglichen Widerstand von Nick und Ellen zu einer weiteren Nacht in Charlotte überreden.

Tag 3 Nick´s Favorite Spots

Bass Pro Shop

Bild 1 von 11

Für diesen Tag hatten wir nur einige Sachen zu besorgen, bevor uns Nick all seine Favorite Spots (davon hat er so einige) zeigen konnte.
Ich hatte am Abend zuvor noch schnell die eigens bestellte Auto-Luftmatratze testen können, was für unseren Campingbedarf nur noch ein paar wichtige Dinge übrig ließ. Von unserem letzten USA-Trip war uns der Bass-Pro-Shop als ultimativer Camping und Outdoor-Laden im Gedächtnis geblieben und auch der in Charlotte war ein halber Hillbilly-Vergnügungspark. Allerdings sind dort die Preise ziemlich gesalzen, so dass es beim (be)wundern blieb – is schon auch manchmal eigentümlich, was die Amis so als „normale“ Camping-Utensilien verstehen…
Gekauft wurden die letzten Sachen dann doch bei Americas favorite one stop shop – dem Laden für einfach Alles: Walmart. Das Auto war voll, die Pflichten erledigt und auf ging’s zur Kür mit Nick und später auch Ellen. Zuerst die Queens Road, Charlottes Chickimicki-Nachbarschaft deluxe. Obwohl uns bei dem ganzen Geprotze ein wenig das Wasser im Mund zusammen lief, war unser erster Stopp zum Durststillen gedacht. Die Olde Mecklenburg Brewery. North Carolina hat mittlerweile eine für uns unerwartet lebendige Braukultur und das Mecklenburg County rund um Charlotte ist da wohl auch wegen seiner deutschen Wurzeln weit vorne. Nach der Brewery und 2 ziemlich guten Bieren (Dunkel und Wheat Ale) gab’s in ner Game-Bar ein kurzes Duell am Basketballkorb und das Zielwasser hat gewirkt! Nick wird sich freuen, wenn ich Ihn noch in 10 Jahren an den Ausgang des Spiels erinner… (34:25 für Deutschland 😉 )
Nach der Brauerei haben wir „Zuhause“ Ellen von der Arbeit abgehalten bis sie bereit war uns zu begleiten. Wir sind durch das Viertel spaziert und Nick schwärmte von seinen Favorite Pizzas hier, dem Favorite Eis da und überhaupt all den Favorite Spots. Nur vom Anschauen her verstehen wir beide die Begeisterung jetzt allerdings auch sehr gut. Der Favorite Burger-Laden bestand dann auch den Geschmacks-Test – sowohl Portobello- als auch Blue-Cheese-Burger waren klasse. Voll und fröhlich haben wir die letzte Kneipe des Tages, das Hoppin‘ besucht. Hier gibt’s ca. 60 Biere sowie Wein und Cider aus komplett digitalisierten Zapfhähnen. Cutting Edge Technology meets German Durst. An dem Abend fand das Musical Bingo statt, bei dem Hits nur angespielt wurden um beim Erkennen auf einem Bingo-Blatt markiert zu werden. War ziemlich lustig und gute Bier-Unterhaltung. Wir wurden an einem der freien Tische freundlich mit dem Tipp: „an unserem Tisch spielen alle zusammen“ empfangen und tatsächlich konnten wir am Ende einem überglücklichen Kyle zum Sieg verhelfen – er hat’s nicht gemerkt, auf einen zarten Hinweis hin konnte er mit Scar Tissue von den Chili Peppers sein Bingo vervollständigen. Danach war’s gut, Heim und eine letzte Nacht im Erker.

Fishermans nightmare – nothing but net.

05.01.2020: Sunday Service auf dem Weg nach Charlotte

And on it goes.
Savannah ist wie erwähnt eine wirklich schöne Stadt, aber wir haben ja noch Termine, was heißt, dass wir uns auf den weiteren Weg machen mussten nach Charlotte, North Carolina, wo uns ein paar Freunde erwarteten. Nach packen und Frühstück warfen wir das Navi auf dem Handy an und auf ging’s. Sonntag ist in vielen Gemeinden der USA der Tag um in die Kirche zu gehen und wir hatten tatsächlich auf ne gewisse Art Gelegenheit daran teilzuhaben. Auf der Suche nach einem neuen Radiosender, weil unser Classic Rock-Sender langsam das Signal verlor, fanden wir einen „Modern Gospel“-Sender. Da liefen dann schon eigentümliche „Hits“ wie zum Beispiel Gangster Rap und Trap aber eben mit kirchlichen Themen oder RnB-Songs wo es nicht um sexy Time, sondern um the love of Jesus ging. Schon witzig, spätestens, als dann aber die Live-Übertragung vom Gottesdienst kam, haben wir dann doch den Sender gewechselt.
Ansonsten war es eine entspannte Fahrt bei sonnigem Wetter durch die ländlichen Gegenden South Carolinas. Unsere ersten Baumwollfelder haben wir dort gesehen, allerdings ist Januar wohl nicht die Blütezeit für King Cotton. Einen Umweg haben wir auch eingebaut. Wir wollten in einem Nationalpark unseren „America The Beautiful“-Pass kaufen. Der gestattet uns zukünftig Zugang zu jedem Nationalpark in den Staaten für die einmalige Investition von 80 $. Was man allerdings vorher hätte wissen müssen: den kann man nur in Parks kaufen, die überhaupt Eintritt verlangen. Der Congaree National Park tut das nicht… Naja, wir sind ja nicht auf der Flucht und unser heimliches Motto ist „Verfahrung sammeln“. Nach einer guten ostdeutschen Schnittenpause waren wir dann wieder unterwegs und wenig später in Charlotte, wo uns Nick und Ellen bei sich zuhause willkommen hießen. Die beiden wohnen sehr zentral und deshalb haben wir uns direkt in ne Sportsbar aufgemacht um endlich ein Football-Playoff-Spiel zu schauen (Seahawks vs. Eagles) und ein paar Bierchen dazu zu trinken. Witzigerweise wurden wir von unserer Kellnerin nicht nur nullkommanix als Germans erkannt sondern danach direkt auch auf Deutsch bedient. Sie hatte in der Uni einen Deutschkurs belegt und war ziemlich glücklich ihre Kenntnisse mal in der Praxis zu erproben. Ansonsten war das Bier überraschend gut, die Fries wie zu erwarten hervorragend (Empfehlung: Corn Pups – Mini-Würstchen im Maisteig-Mantel) und das Spiel eher Mau. Die Gesellschaft hat das aber allemal wieder rausgeholt. So entspannte Reisetage dürfen gerne die Regel werden.

04.01.2020: Die ersten und letzten Gäste

Unser neues Auto, Biancas neues Haus

Bild 1 von 11

Wie gut man doch schlafen kann, wenn man erlöst ins Bett fällt. Nachdem die Anreise sich zumindest am Ende doch etwas spannender gestaltete als wir es uns gewünscht hätten, war die Nacht in unserem AirBnB super erholsam. Unsere Gastgeberin Bianca hat ihr Haus gerade erst gekauft und renoviert um zukünftig ihre Gastwirtschaft mit ihrem bald öffnenden Do-It-Yourself Kerzen-Laden zu verbinden. Leider sieht die Stadt Savannah das neuerdings anders und wir werden die vorerst ersten und auch letzten AirBnB-Gäste von Bianca bleiben.
Unsere Nacht in einem niegelnagelneuen Bett war auf jeden Fall herrlich erholsam.
Mit einer guten Empfehlung für nen lokalen Laden in der Tasche sind wir auf zum Frühstückseinkauf. Mit frisch gefüllten Akkus erwartete uns Savannah – übrigens die Partnerstadt von Halle… Savannah ist eine für amerikanische Verhältnisse sehr alte und sehr europäische Stadt. Deshalb ist sie zu Fuß, wie wir es bevorzugen, sehr gut zu erschließen. Tatsächlich erinnerten uns die Architektur und auch die Abfolge von kleinen Parks etwas an London. Zum Glück ließ uns das Wetter aber nie vergessen, dass wir in den Südstaaten waren. Was dabei auch immer hilft: Wenn jemand seine Schildkröte auf der Straße gassi führt. Seht euch einfach das Paparazzi-Video unten an – man glaubt es ungesehen kaum.
Das Ziel unseres Stadtwandelns war der Riverwalk, die Hafenpromenade von Savannah. Dort gab’s Süßigkeitenmanufakturen, Touri-Shops und tolle Aussichten auf den namensgebenden Fluss. Zusätzlich gab’s hier zum ersten Mal die Möglichkeit einen Plan für eine kleine Überraschung umzusetzen – Felix look out what’s coming… Zum Ende des Tages waren dann wieder die Hausaufgaben fällig und eine weitere Nacht in dem herrlichen Bett.

03.01.2020: Tschüss Florida – Hallo Georgia

Sooo…dann startet nun tatsächlich unsere Reise durch die USA. Der erste geplante Streckenabschnitt ist über 500 Meilen lang. 9:30 verabschiedeten wir uns von unserer Gastgeberin, gaben die Schlüssel ab und fuhren los. In Fort Lauderdale wechselten wir von der Interstate auf die A1A (die schönere Strecke direkt am Wasser). Das Fahren dort war so viel entspannter als in Miami. Neben dem ständigen Blick auf den Atlantik sahen wir beeindruckende Villen und Grundstücke. Außerdem war es offensichtlich, dass sich der Altersdurchschnitt erhöhte – hier geht Amerika in Rente. Zudem lernten wir auch neue Straßenschilder kennen wie „Turtle Nesting Beach, Street Lights turned off Mar Thru Oct“ (dafür sind wir leider etwas zu früh) oder „Golf Cart Crossing“ (in Boca Raton, Red Reef Golf Course ist zweigeteilt). Höhe Palm Bay wechselten wir wieder auf die Interstate, um schneller zu unserem eigentlichen Zwischenstopp zu kommen. Der uns empfohlene Crab Shack – Danke an unsere Volleyball-Buddies Frank und Uwe für den Tipp – befindet sich in Daytona Beach. Die Gegend ist berühmt für ihre Biker-Szene. Der Modestil änderte sich auch entsprechend, jede Menge Leder, Bandanas um die Köpfe und dicke Bäuche. Der Crab Shack war genau das Richtige, um endlich unseren Mittagshunger zu stillen. Wir versuchten die Calamariringe und die Krabbenhackbällchen, dazu Hummer-Knoblauch-Käse-Dip mit Nachos….mmmmmmhhh…Lecker! Da der Laden sich direkt auf einem Steg befindet, war der Ausblick auch atemberaubend schön. Nach der Mittagspause dauerte es noch 5h bis wir Savannah erreichten. Unser AirBnB war schnell gefunden, nur der Eintritt gestaltete sich etwas schwierig. Leider hatte unser Host keinen Türcode mitgeteilt, sodass wir dann doch mal anrufen mussten, obwohl es schon 21:30 war. Sie hat den Türcode durchgegeben, aber der funktionierte nicht. Ich war müde und leicht frustriert, da kam Paul die Idee, dass wir evtl. vor der falschen Adresse stehen. Das war dann auch der Fall. Wir standen bestimmt 10 min vorm falschen Haus. Wir mussten zum Haus auf der anderen Seite der Straße. Da kam plötzlich eine Polizeisirene näher. Schisser, wie ich bin, dachte ich, die kommen wegen uns :-D…Zum Glück hat dann endlich alles geklappt und wir konnten uns endlich ausruhen. Eine 12 h-Fahrt ist dann doch etwas zu viel.

02.01.2020: Graffiti-Schnitzeljagd und Volleyball am Strand

Auf zur Schnitzeljagd!

Bild 1 von 13

Ein neuer Tag, geweckt von Sonnenstrahlen, die die Nase kitzeln – schon schrecklich hier. Nach der Wander-Eskapade gestern war der Plan für heute entspannter: Strandtag!

Aber weil wir ja hier nicht zum rumhängen sind, sondern vor allem um alles an Eindrücken und Erfahrungen aufzusaugen, was sich finden lässt, gab es zwei kleinere Zwischenziele auf dem Weg zurück nach Miami Beach.

Wir haben uns gleich nach dem Frühstück losgemacht nach Wynwood. Das ist ein Stadtteil von Miami, der für seine Streetart berühmt ist. Und tatsächlich gibt es dort an praktisch jeder größeren Wandfläche teilweise wunderschöne Graffitis. Man fühlt sich ein wenig wie ein Schatzsucher, wenn man durch die Nachbarschaft streift und ständig in Seitengassen und über die Schulter auf die Rückwände von Häusern schaut um wieder ein neues Bild zu entdecken.

Zufällig haben wir auch den richtigen Parkplatz gewählt, so dass die relativ bekannte Freiluftgalerie am Ende unseres Spaziergangs lag. Sozusagen der große Preis am Ende der Schnitzeljagd.

Danach haben wir uns noch nen kleinen Mittagssnack und einen Eindruck von Downtown Miami inkl. des „Touristenhafens“ verschafft und waren nach kleineren Staus am Nachmittag am Strand. Warmes, salziges Atlantikwasser, lustige Wellen und strahlender Sonnenschein – es lässt sich aushalten.

Ungefähr ne Stunde vor Sonnenuntergang wollten wir dann noch eine wichtige Sache abhaken: Beachvolleyball in Miami Beach. Es gibt dort jede Menge Netze und die wurden auch fleißig bespielt. Wir haben uns erstmal ein wenig eingespielt und als dann ein Netz frei wurde dauerte es nicht lange, bis uns zwei Amerikaner zum Spiel aufforderten. Trotz etwas angesetztem Rost lief es gut – Tinas Angaben sind auch in Miami am Strand noch ziemlich fies. Der Satz bis 21 ging recht deutlich an uns und wir wurden von zwei anderen Jungs direkt zum nächsten Spiel gefordert. Die Amis „call next“, fordern also einfach den Sieger des laufenden Spiels. Die beiden boys waren Basketballer und athletisch, aber bezüglich Volleyball war nur der Trash-Talk wirklich gut. Es wurden deshalb zwei hoch-unterhaltsame aber doch sehr eindeutige Sätze bis 15, die da an uns gingen. Da mittlerweile die Neonlichter am Ocean Drive bereits wieder an- und die Sonne untergegangen war, machten wir uns auf den Rückweg und haben uns abends noch fleißig mit unseren Hausaufgaben – Der Blog baut sich nicht von allein – beschäftigt.

01.01.2020: Flip Flop-Wandertag

wir und das tiny car

Bild 1 von 19

Nachdem wir an Silvester noch Doral zu Fuß erkundet hatten, konnten wir nun unseren Mietwagen bei Alamo am Flughafen abholen. Der Angestellte am Schalter versuchte wie üblich uns zum Upgrade zu bewegen. Aber auch wenn für 160 kg Yvan ein Midsize SUV ein „tiny tiny car“, also ein winziges Auto, sein mag, haben wir uns nichts aufschwatzen lassen. Auf dem Autodeck durften wir uns dann für irgendeines der Autos in Reihe 6 entscheiden. Die Autos waren alle ziemlich ähnlich: Nissans, Toyotas, Fords und Mitsubishis. Nachdem wir uns durch umklappen der Sitze und Probeliegen durch Tina für ein Auto entschieden hatten – Nissan Rogue– , wurde ein weiteres in die Reihe gebracht. Der Wagen war ein Stück größer, als die anderen, weshalb bei mir sofort Augen groß wurden – mehr Auto für’s selbe Geld? Da bin ich dabei! Aber die Angestellte war kaum aus dem Auto raus, da hatten schon andere Kunden zugeschlagen. Jetzt hatte ich aber Blut geleckt. Wir haben also noch 5 Minuten in unserem vorher gewählten Auto rumgesessen und dann kam tatsächlich wieder ein neues Auto in die Reihe. Auch das etwas größer und damit sofort mein neuer Favorit – Hunday Tucson (wem das was sagt). Nochmal Probeliegen auf der umgeklappten Rücksitzfläche… jupp, Größenvorteil! Ein paar Minuten später rollten wir los.
Es stimmt einfach, dass Amerika für Autos gemacht ist und jetzt konnten wir uns hier wie „normale“ Menschen benehmen. Unser erstes Ziel: Miami Beach. Tina war ja schon mal da und schlug deshalb vor einen kleinen Spaziergang von der Nordspitze in den Süden zum Ocean Drive mit seinen bekannten Art Deco-Gebäuden zu machen. Klang gut also los… Es folgte eine Wanderung von 20 km in Flip Flops.
Irgendwie ist Miami Beach dann doch nicht so klein wie gedacht und wir sind bei feinstem Sonnenschein und 25° fröhlich die gesamte Insel entlang marschiert. Mal am strandnahen Boardwalk, mal entlang der Hauptstraßen direkt am Kanal (Yachten…Villen…Neid?!). Nach dem Jogging am Tag zuvor war die Tour nicht ganz ohne, aber die Ankunft am Ocean Drive und dem zugehörigen Strandabschnitt noch vor Sonnenuntergang war genau passend. Mit der sinkenden Sonne gingen die Neonlichter an. Ein wirklich toller Anblick jedes Haus am „Strip“ – ob Bar, Hotel, Restaurant oder Club – aufwändig und bunt beleuchtet um die verschiedenen Fassaden zu betonen. Und als kleine Zugabe noch die Weihnachtsdeko aus den Feiertagen an den Palmen und auf den Grünflächen. Die Bilder lassen es ja erahnen, uns hat’s gefallen. Während wir uns langsam satt sahen drängte sich bei uns beiden so eine Frage auf: Müssen wir jetzt die ganze Strecke wieder zurück laufen? Ohne größere Beratung kamen wir zum klarsten „Nein“ des Tages. Stattdessen haben wir den eigentlich in den Staaten so verpönten Öffis ne Chance gegeben. Und siehe da: ein lustiger Retro-Shuttle-Bus nahm uns fast bis zum Auto die gesamte Insel herauf wieder mit in den Norden. Kostenpunkt: 0. Was kann man mehr wollen? Heimfahrt, duschen, Abendessen, Feierabend.

Tipps des Tages:

  • Mietwagen 1: Kein festes Modell gebucht? Schaut doch mal ne Weile rum. Vielleicht ist ja das Auto, dass am Besten passt gerade noch in der Wäsche und erst in 5 Minuten verfügbar. Für uns macht das bei 140 Tagen mit dem Auto schon ziemlich nen Unterschied.
  • Mietwagen 2: Versicherungen zusätzlich buchen ist quatsch. Klar braucht man bei so langer Mietdauer die Absicherung. Hätten wir aber die vorgeschlagene Unfallversicherung (Schadenssumme 1.000.000$) gebucht, hätte uns das entspannte 1800-1900€ gekostet – das wären plus 45% auf die ganze Buchung! Stattdessen mal mit eurem Versicherer sprechen. Wir haben jetzt ne Versicherung, die die gleichen Punkte abdeckt (Schadenssumme 1.500.000 €) und für 12 Monate in allen Autos gilt, die wir fahren. Kostenpunkt: 57€…
  • Essen: SuViche. Danke für den Tipp Frieda! Eine Kette, die Sushi mit peruanischerm Ceviche fusioniert. Super lecker für Fisch-Freunde und mal wieder ein neues Erlebnis für die Geschmacksrezeptoren.
  • Öffis: Offensichtlich gibt es in manchen touristisch beliebten Gegenden Shuttles, die preisgünstig oder gratis ne Möglichkeit geben von A nach B zu kommen. Spart manchmal Parkgebühren und meistens Zeit.
  • Spazieren: Lauft vielleicht keine 20 km in Flip Flops. ;-D

31.12.2019: Ein Tag ohne Auto

 

 

 

Nachdem wir am Anreisetag gegen 22 Uhr in ein Koma gefallen sind, wachten wir am Silvestertag wunderbar erholt gegen 8 Uhr auf. Beim Blick aus dem Fenster war nur eine dicke Wolkenschicht zu sehen. Aber davon ließen wir uns nicht aufhalten. Also hieß es Wasser ins Gesicht, Anziehen, Essen (Flugzeugsnacks und Kekse von Mutti) und dann erstmal zu Fuß einkaufen gehen. Ein kleiner Verpflegungsvorrat musste angeschafft werden. Zum Glück war ein Supermarkt in 3 km zu erreichen und das Wasser aus der Leitung in Miami ist genießbar. Während des Spazierganges zu Publix konnten wir uns einen ersten Eindruck von der Nachbarschaft machen. Kurz bevor wir angekommen sind, hat es zu regnen angefangen. Zum Glück mussten wir nur noch über eine Ampel und waren dann im Trockenen. Dann hieß es erstmal sich zu orientieren und abzusprechen, was denn eigentlich nun vernünftigerweise gekauft werden sollte. Wir grasten die Gänge ab, ich fror in den TK-Reihen und schließlich sind wir mit nem Stoffbeutel, kleinem Rucksack und einer Milch in der Hand wieder raus. Dort wartete strahlend warmer Sonnenschein auf uns. Da das ganze etwas gedauert hatte, kam auch schon der Mittagshunger hoch, den wir bei TacoBell stillten. Wir gingen happy zurück und haben erstmal unser tolles AirBnB genossen. Wir setzten uns auf die Terrasse hinterm Haus direkt am Wasser und ließen die Sonne in unsere Gesichter scheinen. Als die Sonne nicht mehr ganz so hoch stand, wollten wir mehr vom Viertel sehen. Somit zogen wir unsere Laufschuhe an und joggten los. Viele machten sich für den Silvesterabend bereit. BBQ-Gerüche und Latinomusik machten sich breit. Das versetzte uns gleich mit in eine fröhliche Partystimmung. 6 km später freuten wir uns auf die Dusche. Herausgeputzt für den Jahreswechsel ergab sich eins nach dem anderen, sodass wir mit unseren Gastgebern Marie und Javier den Silvesterabend verbrachten. Es gab interessante Gespräche, eine leckere Bloody Mary und Wein/Bier sowie ab und zu musikalische Untermalung mit Trommeln (Javier wollte die anderen -gerade angereisten- AirBnB-Gäste nicht stören, konnte es aber nicht ganz lassen). Auch ließen sich die beiden nicht davon abhalten uns erst Cracker mit Wurst und Käse als Snacks und später kubanisch gerösteten Schweinebauch mit Yuca anzubieten – Abendbrot war also auch abgehakt. Nach dem Countdown und dem drumherum zu sehenden Feuerwerk hatte das Bett eine starke Anziehungskraft auf mich und der erste Tag ging somit zu Ende.